Zwischen Wut und Ohnmacht Tolle Platte: Jenny Wilsons „Exorcism“

Von Verene Reygers

Jenny Wilson. Foto: PR/Oskar OmneJenny Wilson. Foto: PR/Oskar Omne

Osnabrück. Bequem macht es sich Jenny Wilson auf „Exorcism“ nicht: Elektrohybrid-Pop zwischen Wut und Ohnmacht.

Es ist der letzte Song, der auf Jenny Wilsons neuem Album am ehesten an den elektroinfizierten Pop früherer Werke erinnert. Der Rest auf „Exorcism“ ist von knallenden Beats und alarmierendem Elektron, von Hip-Hop-Attitüde und abgründiger Offenheit geprägt. Dabei hat die Schwedin, die ihre frühen Erfolge im Umfeld der Elektro-Art-Band The Knife feierte, sich noch nie gescheut, ihre persönlichsten Erfahrungen künstlerisch zu verarbeiten.

Auf ihrem letzten, 2013 erschienenen Album „Demand The Impossible!“ setzte sich die heute 41-Jährige mit ihrer wiederkehrenden Brustkrebserkrankung auseinander, aber behandelte auch feministische Themen. Die Tendenz, das Private politisch zu machen, findet nun auf „Exorcism“ einen neuen Höhepunkt: Zu einem herzrasenden Beat rappt Wilson über ihre Erfahrungen sexueller Übergriffe – ein Song, der einen atem- und fassungslos zurücklässt.

Auch in den weiteren acht, von Wilson produzierten Stücken werden Sexismus, Übergriffigkeit und patriarchale Machtstrukturen thematisiert. Im Titeltrack sorgen Sirenenbeats und Tribalelemente für einen aufgeladenen Tanz ums Protestfeuer, „Your Angry Bible“ klingt wie eine durch den Elektrowolf gedreht Kate Bush, und „It Hurts“ sorgt mit verfremdeter Computerstimme und gemäßigten Drumpadeffekten für eine Verschnaufpause in diesem außergewöhnlichen Werk.

Jenny Wilson: Exorcism. Gold Medal Recording/Broken Silence