Eili Harboe und Kaya Wilkins Unheimliches Begehren: „Thelma“ von Joachim Trier

Von Daniel Benedict

Liebe mit schaurigem Unterton: Eili Harboe und Kaya Wilkins in Joachim Triers norwegischem Oscar-Kandidaten „Thelma“. Foto: Koch FilmLiebe mit schaurigem Unterton: Eili Harboe und Kaya Wilkins in Joachim Triers norwegischem Oscar-Kandidaten „Thelma“. Foto: Koch Film

Berlin. Die erste Liebe löst bei Thelma einen epileptischen Anfall aus – dem mysteriöse Ereignisse folgen. In der Tradition von „Carrie“ erzählt Joachim Triers „Thelma“ vom Heranwachsen als unheimlicher Mischung aus Allmacht und Kontrollverlust.

Eili Harboe ist „Thelma“

Mit der Einschreibung an der Osloer Uni verlässt Thelma (Eili Harboe) zum ersten Mal die Grenzen ihres religiösen Elternhauses. Die neuen Erfahrungen sind aufregend und furchteinflößend zugleich; die intensivste darunter sind ihre Gefühle für Anja (Kaya Wilkins). Als sie der Kommilitonin zum ersten Mal begegnet, fällt Thelma unter epileptischen Zuckungen zu Boden.


Mit den Anfällen häufen sich mysteriöse Vorfälle in Thelmas Alltag: Vogelschwärme spielen verrückt, eine Schlange dringt in ihr Zimmer. Und einmal steht Anja nachts im Schein einer Laterne vor Thelmas Wohnheim – im festen Glauben von ihr gerufen worden zu sein. Thelma hat kaum Zeit, sich über all das Rechenschaft abzulegen. Die Suche nach der Ursache ihrer Epilepsie beschäftigt sie genauso wie das Schuldgefühl wegen ihrer Liebe zu einer Frau.

Liebe mit schaurigem Unterton: Eili Harboe als Titelheldin in Joachim Triers norwegischem Oscar-Kandidaten „Thelma“. Foto: Koch Film

Allmacht und Kontrollverlust: Joachim Triers „Thelma“

In „Oslo, 31. August“ (2011) legte Joachim Trier ein freies Remake von Louis Malles „Irrlicht“ (1963) vor; jetzt eignet der norwegische Regisseur sich den psychologischen Horror der 70er Jahre an. Die religiös aufgeladene Angst vor der Abnabelung teilt „Thelma“ genauso mit der „Carrie“ (1976) Steven Kings und Brian de Palmas wie ihre womöglich paranormalen Begabungen: Denn je grausiger die Ereignisse um Thelma eskalieren, desto deutlicher scheint sie selbst ihre Ursache zu sein. Kontrollverlust oder Allmacht? In Thelma Anfällen kommt beides zusammen – womit dieser nüchterne Mystery-Film einen intensiven Beitrag über das Grundgefühl des Heranwachsens liefert.

„Thelma“. N/F/S/DK 2017. R: Joachim Trier. D: Eili Harboe, Kaya Wilkins, Henrik Rafaelsen, Ellen Dorrit Petersen. 116 Minuten, ab 12 Jahren.