Viele Neuerungen, um Besucher zu generieren Museen in USA rüsten digital auf

Von dpa

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Modelle simulieren im American Museum of Natural History Meereslebewesen. Foto: dpaModelle simulieren im American Museum of Natural History Meereslebewesen. Foto: dpa

New York. Schwindendes Publikum, Dauerberieslung am Handy und im Fernsehen: Große Museen in den USA kämpfen um Aufmerksamkeit. Apps, Filme und Augmented Reality sollen auch Erwachsene wieder stärker locken. Nicht zuletzt zählt, ob die Ausstellung am Ende auch für Instagram taugt.

Wer in die Tiefsee will, muss erstmal an den Dinosauriern vorbei. Schautafeln erklären die lateinisch benannten Fossilien mit Texten und Diagrammen – klassische Didaktik also. Hier atmet das New Yorker Naturkundemuseum, eines der größten der Welt, die Luft des 20. Jahrhunderts. Aber schon zwei Ecken weiter wartet die Zukunft. (Weiterlesen: Hochsaison im Ostereimuseum - Kunst am Ei)

Projektionen von Wellen vermitteln den Eindruck, am Strand zu stehen und nicht in der Ausstellung „Unseen Oceans“ über unerforschte Teile des Ozeans. Schwarzlicht im abgedunkelten Raum lässt Modelle von Fischen aufleuchten, die unter Wasser in neongrün oder grellorange fluoreszieren. Auf einer digitalen Leinwand schwimmen animierte Rochen und ein Pottwal, ein Schild erinnert daran, Fotos auf Instagram zu teilen. Das American Museum of Natural History (AMNH) modernisiert sich, und andere Museen in den USA mit ihm. „Vor einem Jahrhundert stellte man Tausend Fossilien mit einem lateinischen Namen aus und das war die Ausstellung“, sagt Lauri Halderman, Ausstellungs-Leiterin beim AMNH. Aber „Ausstellungen verändern sich, Besucher ändern sich“. Die Menschen seien heute „visueller“, sagt ihre Kollegin Hélène Alonso. Und: „Ihre Aufmerksamkeitsspannen sind kürzer.“ In Zeiten ständiger Berieselung kann es Überwindung kosten, im stillen Ausstellungsraum nicht alle paar Minuten nach dem Handy zu tasten.

Museen ziehen mit

Und so ziehen die Museen mit. Tablets und interaktive Bildschirme gehören häufig zum Standard, Apps im Handy haben Führungen in Museen vielfach ersetzt. Im AMNH werden Besucher so etwa zum Modell eines Blauwals gelotst, sagt Halderman – dann aber auch dazu ermutigt, nicht mehr auf ihr Display, sondern auf den Bauchnabel über ihnen zu gucken.

Auch Augmented Reality (AR) hat sich unter Kuratoren herumgesprochen. Dabei werden im Handy oder Tablet virtuell Texte, Grafiken oder Animationen über einen Gegenstand gelegt, sobald die Kamera auf dieses Objekt zeigt. Im Kennedy Space Center in Florida werden so Astronauten zum Leben erweckt, beim Getty Museum in Los Angeles kann man eine virtuelle Vitrine aus Augsburg aus dem 17. Jahrhundert halten. Der technologische Sprung nach vorn ist auch ein Kampf gegen schwindendes Publikum. Acht Prozent Rückgang bei den Besucherzahlen in Kunstmuseen notierte das National Endowment for the Arts (NEA) in den USA zwischen 2002 und 2015. Nicht etwa die Museen untereinander machten sich Konkurrenz, sagte Sree Sreenivasan 2015, damaliger Chef für Digitales beim Metropolitan Museum of Art, sondern Fernsehserien und Handy-Spiele.

Aspekte weiter vertiefen

Aber es geht nicht nur um sexy Design und Spielereien. Auf Touch-Bildschirmen lassen sich Aspekte vertiefen, ohne Besucher mit zu viel Text oder Diagrammen zu erschlagen. In der Ausstellung „New York At Its Core“ über 400 Jahre Geschichte der Metropole bieten die Schirme etwa Hintergründe zur Zeit der Indigenen, Trapper und Händler, als Manhattan in Europa nur als Handelsposten der niederländischen Westindien-Kompanie bekannt war. Im „Future City Lab“ werden danach das Zusammenleben oder der Nahverkehr der Zukunft auf interaktiven Schirmen simuliert. (Weiterlesen: Ein Museum für Waldi - In Passau sind die Dackel los)

Halderman vom Naturkundemuseum ist sich bewusst, dass zu viel Gadgets der Seriosität ihres Hauses auch schaden könnten. „Könnten wir zu weit gehen? Sicher“, sagt sie. Zu „flashy“ seien Ausstellungen aber nicht, solange die neue Technik mit klassischen Darstellungsformen gekoppelt werde.


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