Zeitreise durch Udos Leben Udo Lindenberg eröffnet „Panik City“ auf der Reeperbahn

Von Manfred Ertel

Tief eintauchen in die Welt Udo Lindenbergs können Besucher in der „Panik City“. Foto: Tine AckeTief eintauchen in die Welt Udo Lindenbergs können Besucher in der „Panik City“. Foto: Tine Acke

Hamburg. Am Montagnachmittag eröffnete Udo Lindenberg am Spielbudenplatz auf St. Pauli seine „Panik City“. Besucher können hier einen Streifzug durch die Welt des Musikers machen. Auf 700 Quadratmetern nimmt er seine Zuschauer mit in seine Kindheit, zu den verschiedenen Stationen seiner Karriere, ins Tonstudio oder ins Atelier.

Eigentlich wollte Udo Lindenberg ja Schiffssteward werden, doch schon als 15-Jähriger trommelte er lieber als Schlagzeuger in Düsseldorfer Altstadt-Kneipen statt Energie in seine Kellnerlehre in einem First-Class-Hotel zu investieren. Trotzdem beherrschte seine erste Band, die 1959 gegründeten „Dixie Devils“, nur eine Handvoll Songs wie „When the Saints go marchin‘ in“ und „Down by the Riverside“. „Was soll aus Udo bloß werden“, sorgte sich Udos Mutter Hermine gegenüber seinen Freunden. Kumpel Clemi beruhigte sie: „Der wird eines Tages ein Superstar“.

Zu sehen und zu hören ist die Geschichte in Udo Lindenbergs „Panik City“, die am Montagnachmittag auf der Hamburger Reeperbahn Premiere hatte. Über tausend Ehrengäste waren ins „Klubhaus“ am Spielbudenplatz geladen, um eine „Zeitreise“ durch Udos Leben zu machen – ein Spektakel, das seines Gleichen sucht und zur neuen Attraktion auf St. Pauli werden dürfte.

Die „Udo Lindenberg Experience“ schleust Besucher durch sechs Show-Räume und lässt sie auf 700 Quadratmeter tief eintauchen in die Vergangenheit und Erlebniswelt des Rockstars. In einem aufwendigen Mix aus Dokumenten, Videos und interaktiven Multi-Media-Begegnungen treffen die Besucher Zeitzeugen aus Udos Kindheit, sie sind noch einmal dabei, als er 1983 zum ersten Mal vor ausgesuchten FDJ-Kadern in der DDR drei Stücke spielte und sich beim sozialistisch geschulten Nachwuchs keine Hand rührte. Sie erleben mit, wie der Panikrocker 1987 dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker als Friedensbotschaft eine Gitarre überreicht und „Gitarren statt Knarren“ fordert. Oder auf den Bühnen der Nation eine „bunte Republik“ propagiert. Besucher können in seinem Ton-Studio gemeinsam mit ihm seinen Hit „Ich mach mein Ding“ einsingen, in der „Likörelle-Bar“ Udos Malerei kolorieren oder mit ihm auf der Bühne stehen und über die Zuschauer-Massen schweben – modernste Hologrammtechnik, LED-Wände und VR-Brillen machen es möglich. Und helfen, nette Überraschungen mit nach Hause zu nehmen.

Zwei Millionen Euro investierten die Macher um Theaterchef Corny Littman und Gastronom Axel Strehlitz in die „Panik City“. Herausgekommen ist mehr als nur ein Museum. Lindenberg selbst nennt es in seiner Sprache ein „Udoversum aus Hightech, Multimedia und Magie“. Es ist aber auch „ein Spiegelbild deutscher Geschichte“, sagt Kiez-Urgestein Corny Littmann. Bisher unbekannte oder seltene Zeitdokumente sind zu sehen, zum Beispiel aus einem unveröffentlichten Song und Video, das Lindenberg eigentlich in den USA rausbringen wollte: „Father, you should have killed Hitler“. Es gibt seltene Bilder aus seiner Jugend und den ersten Karrierejahren zu sehen, in denen er noch ohne Hut und mit vollen Haaren zu bewundern ist. Und natürlich Filme, Musik und Platinschallplatten von den Stationen seiner Karriere.

Die Zeitreise durch Lindenbergs Höhen und Tiefen ist anrührend und sentimental. Und manchmal auch ergreifend ehrlich. Wenn er zum Beispiel vom Tiefpunkt seiner Karriere, dem Alkohol, redet. „Dass ich früher Profitrinker war, weiß jeder“, sagt Lindenberg dazu ganz offen, „das gehört zu meiner Story dazu.“

Am Ende ist der Rockmusiker, der in seinem fast 72-jährigen Leben schon fast alles erlebt hat, sogar ein wenig gerührt von der Panik-Tour durch seine Vergangenheit. Er empfinde sie als eine „extrem emotionale Achterbanfahrt“, sagt er, „wie einen Kometeneinschlag“ und fühle sich „sehr geehrt“. Und sogar etwas Demut klingt aus seiner Antwort, wenn er über seine Gefühle spricht: „Wir sind mal angetreten und wollten die Welt verändern“, sagt er, „und ich bin immer wieder erstaunt, was man alles hinkriegen kann, ohne etwas Anständiges gelernt zu haben, nur mit Charmanz und einer Portion Frechheit“. Das könnte, wünscht sich Lindenberg in seiner typischen Art, auch ein „Puscher für andere Leute sein“.

„Es gibt wohl keinen anderen deutschen Rockstar, mit dem so etwas möglich wäre“, sagt Theaterchef Littmann und man merkt ihm die Erleichterung an, dass die technischen Herausforderungen für diese Kiez-Neuheit gelungen sind und die Panik City hier ihre Heimat gefunden hat. Am 13. Dezember 1968 landete Udo Lindenberg zum ersten Mal auf der Reeperbahn, das letzte Stück nach Hamburg war er in einem LKW getrampt und nur „mit einem Jugendherbergsausweis in der Tasche“, erinnert er sich. Jetzt ist er angekommen: „Hamburg und die Reeperbahn, das hört sich für mich sehr nach Zuhause an.“