Mitreißende Opern-Entdeckung Roman Statkowskis „Maria“ in Oldenburg

Von Jan Kampmeier

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In „Maria“ am Oldenburgischen Staatstheater spielte Arminia Friebe (vorne) die Maria. Foto: Stephan WalzlIn „Maria“ am Oldenburgischen Staatstheater spielte Arminia Friebe (vorne) die Maria. Foto: Stephan Walzl

Oldenburg . Die polnische Oper „Maria“ von Roman Statkowski wird in Oldenburg von einem sehr beeindruckenden Ensemble gegeben: Auf Anhieb zugängliche und mitreißende Musik.

Da haben sich die deutschen Theater in den letzten 112 Jahren was entgehen lassen. Wäre der Komponist etwas prominenter, wäre diese Oper mit Sicherheit repertoiretauglich. Doch einen gewissen Roman Statkowski kennt eben kaum jemand, und so wurde seine Oper „Maria“, 1906 in Warschau uraufgeführt, nun in Oldenburg als deutsche Erstaufführung gegeben. Das sogar (mit Übertiteln natürlich) in polnischer Sprache, wie oft hat man das schon gehört auf der Opernbühne?

Die Handlung lässt sich verkürzt so darstellen: Der Woiwode, ein Provinzdespot, lässt Maria umbringen, die Braut seines Sohnes Waclaw, weil er sich für ihn eine bessere Partie erhofft. Waclaw jedoch reagiert mit Suizid. Auf die Stichworte „Oper“ und „1906“ dürfte so mancher Musikfreund spontan mit „Salome“ antworten, doch mit Modernismen wie Richard Strauss hatte Roman Statkowski offenbar rein gar nichts am Hut. Seine Musik soll angeblich nach Wagner klingen, doch wie sich herausstellt, könnte die Oper auch von Tschaikowskij stammen, und zwar auch hinsichtlich der Qualität.

In einem Zwischenspiel vor dem zweiten Akt wird gar ein Tschaikowskij-Thema exakt zitiert. Ab und zu scheint außerdem auch Statkowskis Lehrer Rimskij-Korsakow nicht weit entfernt. Kein neuer Stil also, doch in diesem Idiom schreibt Statkowski bemerkenswert souverän. Seine Musik ist sehr leicht zugänglich und enthält viel Dramatik, herrliche Themen für die Liebenden, effektvoll folkloristische Chornummern, wenngleich diese, eine weitere Tschaikowskij-Paralelle, nicht wirklich zwingend in die Handlung integriert und eher Selbstzweck sind, einige melancholische Passagen und ein wahrhaft packendes, tragisches Finale.

Mitreißend

All das ist auf Anhieb wirklich mitreißend und ergreifend, dazu im groß besetzten Orchester mit vielen Soli angereichert, besonders erwähnenswert ein wunderbar geblasenes Hornsolo. Angenehm kompakt ist das Werk mit gut 90 Minuten auch noch, es könnte allerdings eine gekürzte Fassung sein. Die Regie lag bei Andrea Schwalbach, die die Handlung mit ihren Partnern für Bühne und Kostüme, Anne Neuser und David Gonter, vom 17. Jahrhundert andeutungsweise in die Sowjetzeit verlegt, dabei wohl manchmal reichlich nüchtern vorgeht, aber immer bescheiden genug, um nicht zu sehr von der Musik abzulenken. Die erhält hier die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. In Oldenburg steht dafür ein beeindruckendes Ensemble zur Verfügung, als Gast verkörpert Arminia Friebe anrührend sanft die treu liebende Maria, Tenor Jason Kim strahlt jugendlich als Waclaw, in der Rolle des Woiwoden meistert Tomasz Wijas Stimme eindrucksvoll alle Lagen, Kihun Yoon gibt Marias Vater Kraft und Würde. Auch der Chor und das oldenburgische Staatsorchester präsentieren sich in großartiger Form.


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