Naive Mörderinnen in der Falle Die Theatermacher zeigen „Mordsfrauen“ im Zimmertheater

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Foto: Michael GründelFoto: Michael Gründel

Osnabrück. Fünf Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Aber allen lastet ein Menschenleben auf dem Gewissen. Ein Aufenthaltsraum, in dem keine sein will, aber aus dem auch keine entkommen kann. Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich „Mordsfrauen“, das neue Stück der Theatermacher. Es hatte im Ersten Unordentlichen Zimmertheater Osnabrück Premiere.

Eine Justizvollzugsanstalt, irgendwo in Baden-Württemberg. Hier verbüßen Fernande, Margot, Uschi, Paula und Erika ihre Strafen. Es ist die Abteilung für die besonders harten Fälle, sprich die Mörderinnen. Die Handlung des Stücks von Corina Rues-Benz beginnt an einem nicht näher definierten Mittwoch im Aufenthaltsraum. Keine der Frauen kann in ihre Zelle zurück, denn angeblich können diese wegen eines Wasserrohrschadens nicht betreten werden.

Fünf besondere Charaktere

Und so prallen die unterschiedlichen Charaktere mit aller Kraft der der Konstellation innewohnenden Gruppendynamik aufeinander. Fernande ist eine verträumte Nonne, die auch in dieser Situation an ihrem Glauben festhalten will. Die dominante Margot war einmal Fleischerin und brüstet sich damit, dass sie eine Rinderlunge ohne Schnittschäden entfernen kann. Uschi ist die Telefonsex-Expertin der Runde, denn damit verdiente sie einst ihren Lebensunterhalt. Rentnerin Paula hält sich an ihrer falschen blonden Haarpracht ebenso fest wie an ihrem Putzfimmel. Und die von sich nur in der dritten Person redende Erika will immer mittwochs aus dem Gefängnis fliehen.

Panik und Spekulationen

Derart zusammengepfercht und am einzigen Ort, an dem sie noch weniger sein wollen, als in ihren Zellen, bemerken die Frauen, dass sie über die Sprechanlage keinen Kontakt mit den Wärtern aufnehmen können. Panik und Spekulationen greifen um sich. In ihren Gesprächen entwickeln die Frauen wilde Verschwörungstheorien und nach und nach offenbaren die verurteilten Verbrecherinnen ihre persönliche Geschichte.

Viel Raum zur Selbstdarstellung

In dieser Vorlage liegt aber die Krux des von Nils Stickan gradlinig inszenierten Abends: Die Autorin gibt ihren Protagonistinnen viel Raum zur Selbstdarstellung und wenig zur persönlichen Entwicklung. Komische Momente entstehen darüber hinaus zumeist aus einem gewissen Gefühl des Fremdschämens für die bei allen sonstigen Unterschieden allesamt naiven Frauen heraus. Und die dramaturgische Wende kommt im Verlauf des Abends rein technisch gesehen deutlich zu spät.

Einfühlsam und überzeugend

Dass der Abend dennoch ein sehenswertes Vergnügen ist, liegt an den liebevollen, einfühlsamen und überzeugenden Darstellungen von Cathleen Berger-Neumann, Dorothee Hermes, Ulrike Kohn, Swaantje Ohlrogge und Eveline Biesenthal. Sie alle nehmen ihre Figuren ernst und beweisen ihr Gespür für die emotionale Tiefe ihrer jeweiligen Figur. Unterstützt werden sie bei ihren gedanklichen Ausflügen in Erinnerungen und Träume durch die Videoprojektionen von Sonja Damaschke und die Musik von Andreas Wilczek.

So bleibt der positive Gesamteindruck eines auch zum Nachdenkenden anregenden Theaterabends, der noch häufig auf dem Spielplan des Zimmertheaters stehen soll. Nach der Premiere am 16. und der zweiten Aufführung am 17. März sind weitere Termine in Planung, die allerdings noch nicht konkret feststehen.


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