Formate politischer Debatten Leipziger Buchmesse: Europa auf dem Prüfstand

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Das junge Publikum im Visier: Gerade junge Leute besuchen die Hallen der Leipziger Buchmesse. Foto: dpaDas junge Publikum im Visier: Gerade junge Leute besuchen die Hallen der Leipziger Buchmesse. Foto: dpa

Leipzig. Die Forderung nach einer neuen Debattenkultur wird immer wieder erhoben. Die Leipziger Buchmesse will ein Forum für Diskussionen sein, auf denen die unbequemen Fragen gestellt werden. Vor allem von jungen Leuten.

„Europa wird in vielen Teilen der Welt als belehrend empfunden. Das sollte sich ändern“, hat Mohamed Amjahid auf der Leipziger Buchmesse gefordert. Der Politikredakteur der Zeit kuratiert die dritte und letzte Ausgabe des Debattenformates „Europa 21“, das von der Buchmesse und der Robert-Bosch-Stiftung getragen wird. „Sind wir wirklich die Besten?“: Unter diesem Titel diskutieren in mehreren Runden Experten zu Themen des Wohlstandes und der sozialen Gerechtigkeit. Der als Kind marokkanischer Eltern in Frankfurt am Main geborene Amjahid veröffentlichte 2017 seine Analyse „Unter Weißen: was es heißt, privilegiert zu sein“ bei Hanser. Hier weiterlesen: Rechte Verlage - Kontroverse auf der Leipziger Buchmesse.

Politik für die Jungen

Mit Formaten wie „Europa 21“ will sich die Leipziger Buchmesse ganz bewusst politischen Fragen öffnen. In diesem Jahr kommt ein Forum hinzu, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Politik für Kinder und Jugendliche attraktiver und vor allem zugänglicher gemacht werden kann. June Tomiak, als Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus Deutschlands jüngste Abgeordnete, kritisierte im Gespräch die politischen Strukturen in Deutschland als „alt“ und wenig zugänglich. Wenn sich nur wenige junge Leute in der Politik engagierten, liege das nicht an ihnen, sondern an den Strukturen und Prozeduren in den politischen Parteien. „Junge Leute wollen mitentscheiden“, sagte Tomiak weiter und forderte, ihnen das mit entsprechenden Angeboten in der Parteiarbeit auch zu ermöglichen. Hier weiterlesen: Was bringt die Leipziger Buchmesse 2018?

Aufstieg hängt am Zufall

Wolfgang Gründinger gehört wie June Tomiak zu jenen Jungen, die in der Politik neue Fragen stellen. Als Gast der ersten Diskussionsrunde von „Europa 21“ kritisierte Gründinger das starke Wohlstandsgefälle in Deutschland und die Tatsache, dass sozialer Aufstieg noch immer von zu vielen Zufällen abhängig sei. Gründinger sagte, er stamme aus der „Unterschicht“. Er engagiert sich heute für Generationengerechtigkeit. Mohamed Amjahid forderte im Gespräch, die Chancen junger Menschen, etwa in Afrika, zu erhöhen. Das Projekt der europäischen Aufklärung sei noch einmal kritisch zu durchleuchten und zu erneuern. Hier weiterlesen: Flüchtlinge Kompliment für Europa - Autor Arno Geiger im Interview.

Tellkamp sagt Reise ab

Für Schlagzeilen sorgt unterdessen auch ein Autor, der in Leipzig gar nicht präsent ist. Uwe Tellkamp hat eine für März in Norddeutschland geplante Lesereise abgesagt, teilte der Eichthal-Verlag mit. Tellkamp war nach seinen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik am 8. März in Dresden in die Kritik geraten. Er fürchte eine Zweckentfremdung seiner Lesungen, hieß es von dem Autor.


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