Porträt einer Apostelin Der Skandal-Produzent und die Bibel: „Maria Magdalena“

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Selbstbewusst: Maria Magdalena (Rooney Mara) folgt Jesus von Nazareth (Joaquin Phoenix).Foto: Universal PicturesSelbstbewusst: Maria Magdalena (Rooney Mara) folgt Jesus von Nazareth (Joaquin Phoenix).Foto: Universal Pictures

Osnabrück. „Maria Magdalena“, lange von der Kirche als Prostituierte bezeichnet, erlebt in diesem Bibelfilm eine Rehabilitierung. Rooney Mara spielt sie, der Jesus wird von Joaquin Phoenix gegeben.

Es ist eine der meistverfilmten Geschichten des Kinos: Leben und Lehre von Jesus Christus, sein Tod und die Auferstehung. Ein Thema, das ewig bleibt. So auch hier.

Lasset die Passionsspiele also beginnen. Wenn auch ein bisschen anders als sonst. Denn der australische Regisseur Garth Davis weicht mit „Maria Magdalena“ diesmal deutlich von den bonbonbunten, frömmelnden Bibelkitschfilme früherer Hollywood-Zeiten ab. Und wechselt die Perspektive. Die Kulissen erscheinen karg, die Kostüme ärmlich, allzu menschlich die Protagonisten. Vor allem will der Film seine Heldin rehabilitieren.

Schließlich galt Maria Magdalena nach einem Verdikt von Papst Gregor I. jahrhundertelang als Hure. Erst 2016 wurde sie vom Vatikan als „Apostelin der Apostel“ rehabilitiert. Nun zeigt Davis sie als willensstarke Frau, die ihre Familie verlässt und gegen patriarchalische Regeln verstößt, nur um ein Jünger um Jesus zu werden. Die „Frohe Botschaft“ gemischt mit feministischem Anspruch also.

Da nimmt es sich umso bitterer aus, dass dieser Film ausgerechnet von Harvey Weinstein produziert wurde. Jenem Mann also, dessen Sex-Eskapaden die #MeToo-Kampagne auslösten. Was in den USA dafür sorgte, dass der Film noch immer keinen Verleih erhielt. Hierzulande tilgte man jedoch so weit wie möglich Weinsteins Namen und startet das Werk rechtzeitig zu Ostern. Bibel-Business as usual also.

Doch abseits des Weinstein-Skandals wird Davis’ Film wohl kaum für Aufregung sorgen – weder inhaltlich noch künstlerisch. Das vermochte zuletzt 1988 Martin Scorsese mit „Die letzte Versuchung Christi“, als er die von Barbara Hershey gespielte Maria Magdalena als Geliebte von Jesus präsentierte. Vor allem bei konservativen Katholiken sorgte dies für einen Skandal und führte zu Bombendrohungen und Anschlägen auf Kinos.

Und obwohl sich „Maria Magdalena“ die gleichen Drehorte in Süditalien teilt, bleibt er doch weit hinter „Das Erste Evangelium – Matthäus“ (1964) des erklärten Atheisten Pier Paolo Pasolini zurück. Dessen mit Laien besetzter Film gilt noch heute als die beste Verfilmung der Geschichte Jesu. Auch bei Christen.

Dagegen wirkt „Maria Magdalena“ dann doch eher konventionell. Was zum einen am penetrant pathetischen Klangteppich des Komponistenduos Hildur Gudnadóttir und Jóhann Jóhannsson liegt, zum anderen an seinen Stars. Mara wirkt, trotz ihrer betont menschlichen Erscheinung als Titelfigur, allzu oft madonnenhaft-entrückt, Joaquin Phoenix als Jesus zuweilen eher wie ein grimmiger Öko-Zausel.

Statt eines (unfreiwillig?) unterhaltsamen Bibelschinken wird hier eher ein karges Abendmahl serviert. Aber gewiss nicht das letzte. Denn diese Bibeladaptionen feiern ständige Auferstehung. Maria Magdalena – eine starke Frau in einem schwächelnden Film.


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