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14.03.2018, 17:37 Uhr LEIPZIGER BUCHMESSE

Umgang mit rechten Verlagen: Freiheit muss man leben

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Ruhe vor dem Sturm herrscht in den Gängen der Leipziger Buchmesse. Etwa 2600 Aussteller präsentieren vom 15.03. bis zum 18.03.2018 in Leipzig die Neuheiten der Verlagsbranche. Foto: dpaRuhe vor dem Sturm herrscht in den Gängen der Leipziger Buchmesse. Etwa 2600 Aussteller präsentieren vom 15.03. bis zum 18.03.2018 in Leipzig die Neuheiten der Verlagsbranche. Foto: dpa

Leipzig. Wie geht man mit rechten Verlagen auf der Leipziger Buchmesse richtig um? Verbote helfen sicher nicht weiter. Gefragt sind offene Debatten und eine kompromisslose Praxis der Freiheit.

Warum ist der Umgang mit rechten Verlagen auf einer Buchmesse so heikel? Weil man diesen Verlagen Präsenz zugestehen muss. Und das im Namen einer Freiheit, die viele Autoren dieser Verlage offenbar abgeschafft sehen möchten. Freiheit den Feinden der Freiheit: So lautet das Paradox, dem sich die Leipziger Buchmesse stellen muss. Hier weiterlesen: Protestaktion geplant - die Leipziger Buchmesse und rechte Verlage.

Verbote verbieten sich deshalb. Sie setzten eine Zensur von Verlagsprogrammen voraus. Niemand kann das im Ernst wollen. Das wäre der Anfang jener Gesinnungsdiktatur, die Vertreter der rechten Szene ja ständig als angeblich existent beklagen. Der Autor Uwe Tellkamp griff bei seinem bestürzenden Dresdner Auftritt den gleichen Vorwurf auf und bediente damit jene fatale Mischung aus Selbstmitleid, Verschwörungsdenken und latenter Aggressivität, die für Rechtspopulisten charakteristisch ist. Was für ein Desaster. Hier weiterlesen: Was bringt die Leipziger Buchmesse 2018?

Nein, die Macher der Buchmesse dürfen nicht verbieten. Aber sie sollten sich positionieren, vielleicht auch klarer als bisher. Nach vorn gehören kontroverse Debatten und Aktionen für verfolgte Autoren. Wer die Freiheit verteidigen will, muss sie praktizieren. So kompromisslos wie möglich. Hier weiterlesen: Flüchtlinge Kompliment für Europa - Autor Arno Geiger im Interview.


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