Littera-Lesung Großartig erzählt: „Töchter“ von Lucy Fricke

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Unausgesprochenes mit den eigenen Eltern zu klären, dazu will Lucy Fricke ihre Leser anregen. Foto: Egmont SeilerUnausgesprochenes mit den eigenen Eltern zu klären, dazu will Lucy Fricke ihre Leser anregen. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Die Schriftstellerin Lucy Fricke hat jetzt in Osnabrück ihren Roman „Töchter“ vorgestellt. Die Veranstaltung der Littera-Reihe der Buchhandlung zur Heide war die erste Station ihrer Lesereise.

Es gibt Bücher, die können wahnsinnig machen. Denn einerseits will man sie gar nicht aus der Hand geben, so sehr nehmen sie gefangen. Aus dem gleichen Grund ist da aber auch der Wunsch, das Buch möge niemals endet. Und nach dem letzten Wort droht das Gefühl, sich sehr verlassen zu fühlen. Der Roman „Töchter“ von Lucy Fricke ist so eines. Jetzt stellte sie ihn bei der Littera-Reihe der Buchhandlung zur Heide vor.

Von der ersten Zeile an schafft Fricke eine dichte Atmosphäre, die teilhaben lässt an den Gedanken und Gefühlen von Betty und Martha. Beide um die 40, Freundinnen seit mehr als 20 Jahren, die sich blind, taub und stumm verstehen. Beides Frauen, die sich mit den unverdauten Gefühlen für ihre Väter – der eine gerade noch lebend, der andere seit zehn Jahren tot – befassen müssen.

Die beiden machen sich auf die Reise – konkret und im übertragenen Sinn. Die Themen sind ebenso hart wie das, was die Väter ihren Töchtern zugemutet haben. In Frickes Gedanken und vor allem Sprache verpackt aber ist es eine Lust, ihnen zu folgen.

Dabei ist die Schriftstellerin schonungslos und zart zugleich. Traurigkeit rettet sie mit lakonischem Humor vor dem Abgrund, wobei sie die Klippe zur Albernheit nie streift. Fricke skizziert ihre Figuren nicht nur, sie lässt die Leser eintauchen in ihren ganzen Lebenskosmos, den sie mit wenigen Sätzen zu zeichnen versteht.

„Es rutscht so raus und landet auf der Tastatur“, beschreibt Lucy Fricke nach der Lesung ihr Schaffen. Manche Zeilen möchte man sich an die Wand hängen. Lebensklug, vergnügt oder melancholisch, wie sie sind.

Sie möchte, sagt Lucy Fricke, die Leser anregen, Unausgesprochenes mit ihren Eltern zu klären, so lange das noch möglich ist. Ihre Eltern hätten ihren Roman gelesen. „Wir telefonieren jetzt sehr oft“, sagt sie.


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