Protestaktion vor dem Gewandhaus Leipziger Buchmesse: Wie umgehen mit rechten Verlagen?

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Mit dem bunten Logo geht es zum Fest der Bücher und Lesungen: Stufe für Stufe wird das Logo der Leipziger Buchmesse auf eine Treppe in der Glashalle der Messe in Leipzig geklebt. Foto: dpaMit dem bunten Logo geht es zum Fest der Bücher und Lesungen: Stufe für Stufe wird das Logo der Leipziger Buchmesse auf eine Treppe in der Glashalle der Messe in Leipzig geklebt. Foto: dpa

Leipzig. Die Leipziger Buchmesse 2018 streitet über Verlage der rechten Szene. Während die Messeleitung nur bei „Rassismus und Hetze“ die rote Linie überschritten sieht, fordert das Bündnis „Verlage gegen rechts“ klare Statements gegen Rechts.

Manche Wünsche sind schon in dem Moment, in dem sie ausgesprochen werden, nichts als Makulatur. Als „friedliches Lesefest“ wünscht sich Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe die neue Ausgabe der Buchmesse. Dabei stehen die Zeichen längst auf Konflikt. Wie soll man mit rechten Verlagen umgehen? An dieser Frage entzündete sich schon bei Frankfurter Buchmesse 2017 der Konflikt. Wie in Frankfurt werden auch in Leipzig mit dem Verlag Antaios Verlag und dem Magazin Compact unter anderen zwei zentrale Stichwortgeber der rechten Szene ausstellen. Die Messeleitung gibt sich gelassen. „Wenn ein Verlag nicht gegen das Grundgesetz verstößt, kann ihm die Teilnahme an der Buchmesse nicht verweigert werden“, sagte Buhl-Wagner bei der Pressekonferenz der Messe. Nur bei „Rassismus und Hetze“ werde eine „rote Linie“ überschritten. Dann könne es auch Strafanzeigen und Hausverbote geben, so der Geschäftsführer. Hier weiterlesen: Was bringt die Leipziger Buchmesse 2018?

„Politischer werden“

Kritikern ist das zu wenig. „Die Buchbranche muss insgesamt politischer werden“, sagte Lisa Mangold vom Argument Verlag als Sprecherin des Bündnisses „Verlage gegen rechts“ auf Anfrage. Das Bündnis, das sich aus mehreren Dutzend unabhängigen Verlagen zusammensetzt, rief zu einer Protestkundgebung vor dem Leipziger Gewandhaus auf. „Wir wollen das Thema in die Innenstadt tragen“, machte Mangold klar. Protestaktionen des Bündnisses an Messeständen rechter Verlage soll es nach ihren Worten aber nicht geben. „Wir haben von den Protesten auf der Frankfurter Buchmesse gelernt. Damals ging es auch um einen Kampf um die Medienbilder“, sagte Mangold und betonte: „Wir wollen selbst bestimmen, wo die Diskussion stattfindet“. Auf der Frankfurter Buchmesse hatten solche Protestaktionen zu Tumulten vor allem am Stand von Antaios geführt. Die Leipziger Buchmesse hat daraufhin ihr Sicherheitskonzept überarbeitet, ohne dazu Einzelheiten zu nennen. Hier weiterlesen: Flüchtlinge Kompliment für Europa - Autor Arno Geiger im Interview.

„Toleranz und Vielfalt“

„Wir lassen uns von politischen Forderungen nicht vereinnahmen“, sagte hingegen Oliver Zille, der Direktor der Leipziger Buchmesse. Besucher und Teilnehmer der Messe seien „mündige Bürger“. „Wir wollen nicht, dass einzelne Teilnehmer die Buchmesse dominieren“, sagte Zille in Anspielung auf die rechten Verlage. Er wünsche sich ein buntes Themenspektrum. Für „Toleranz und Vielfalt“ sprach sich auch der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Alexander Skipis aus, forderte zugleich aber auch eine neue Debattenkultur. Themen wie Sorgen vieler Bürger angesichts der Flüchtlingsbewegungen seien zu lange tabuisiert worden. Er freue sich deshalb über das Streitgespräch zwischen Uwe Tellkamp und Durs Grünbein, das am 8. März 2018 im Dresdner Kulturpalast stattgefunden hat. Tellkamps Äußerungen über Flüchtlinge und gegen angebliche Repressionen gegen Andersdenkende hatten eine Kontroverse ausgelöst. Der Suhrkamp Verlag, der unter anderem Tellkamps Bestseller „Der Turm“ herausgebracht hat, distanzierte sich daraufhin von seinem Autor. Hier weiterlesen: Ausschluss rechter Verlage von der Buchmesse gefordert.

Wo ist die klare Haltung?

Unterdessen forderte Lisa Mangold vom Bündnis „Verlage gegen rechts“ von der Leitung der Leipziger Messe eine klarere politische Haltung. Das Bündnis mache es sich jetzt zur Aufgabe, Antisemitismus und Antifeminismus als Haltungen der neuen Rechten genauer zu analysieren. Nach den Worten Mangolds finden im Rahmen des Messeprogramms mehrere Diskussionsveranstaltungen des Bündnisses statt. Die Leipziger Buchmesse habe den Veranstaltungsraum dafür kostenlos zur Verfügung gestellt. Hier weiterlesen: Prekäre Erinnerung - Gedenken fordert Arbeit der Lebenden.

Weniger Leute kaufen Bücher

Während der Streit um rechte Verlage tobt, plagen die Buchbranche weiter Sorgen. Die Buchbranche habe ihren Umsatz in den letzten zehn Jahren gehalten, sagte Alexander Skipis für den Börsenverein. Zugleich sei die Zahl der Buchkäufer um 6,4 Millionen auf jetzt noch 29,6 Millionen zurückgegangen. Weniger Käufer kauften mehr Bücher, fasste Skipis den Trend zusammen. Befragungen hätten ergeben, dass vor allem die Überforderung vieler Menschen durch soziale Netzwerke die Aufmerksamkeit vieler Menschen für Bücher geschmälert hätten. Das Buch werde aber ,mitten im medialen Stress weiter als „Balsam für die Seele“ wahrgenommen. Auf der Leipziger Buchmesse, die für das Publikum vom 15. bis 18. März 2018 geöffnet ist, stellen 2635 Aussteller aus 46 Ländern aus. Das Gastland der Buchmesse 2018 ist Rumänien.


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