Gestrandet vor Disney World Starke Milieustudie „The Florida Project“

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück In seinem Film „The Florida Project“ lässt Regisseur Sean Baker („Tangerine“) aus kindlicher Perspektive hinter die Kulissen einer Motelanlage blicken, in der die Gestrandeten des Amerikanischen Traums um ihr tägliches Überleben kämpfen. Authentisch und hauptsächlich von Laiendarstellern bravourös gespielt.

Im Jahre 1965 kündigte Walt Disney ein Projekt mit dem Namen „Florida Project“ an, hinter dem sich der Bau des 1971 eröffneten Freizeitparks „ Magic Kingdom „ im Walt Disney World Ressort verbarg. Natürlich zählt auch eine Motelanlage zur umliegenden Infrastruktur. Dazu gehören Hotels wie das „Magic Castle Inn“. Touristen verirren sich aber kaum noch in diese Gegend. Sie wird hauptsächlich von Menschen bewohnt, die weit unten auf der sozialen Leiter stehen.

Menschen, wie Halley (Bria Vinaite) mit ihrer kleinen Tochter Moonee (Brooklynn Prince). Während Halley mit nicht immer ganz legalen Mitteln versucht, finanziell über die Runden zu kommen, macht Moonee mit Scooty und ihrer neuen Freundin Jancey die Gegend unsicher.

Sehr zum Verdruss von Motelmanager Bobby ( Willem Dafoe). Wenn die Kids Spaß haben, kommt auf ihn Arbeit zu. Als es nach einem etwas deftigeren Streich der Kinder zum Zerwürfnis zwischen Halley und Scootys Mutter kommt, beginnen die Dinge aus dem Ruder zu laufen.

„The Florida Project“ erweist sich von der ersten bis zur herzzerreißenden letzten Einstellung als eine äußerst gelungene Sozialstudie, die nicht auf die Menschen herabschaut, sondern zu ihnen hinauf. Was nicht nur an der erzählerischen Kinderperspektive liegt.

Regisseur Sean Baker, der erneut gemeinsam mit Chris Bergoch („Tangerine L.A.“) das Drehbuch erarbeitet hat, kontrastiert dabei geschickt die kindliche Wahrnehmung, in der die eigene Armut noch nicht ins Bewusstsein gerückt ist, mit dem verzweifelten Existenzkampf der Erwachsenenwelt.

Gedreht wurde an Originalschauplätzen der Motelanlage, wo die Filmcrew während der Dreharbeiten auch gleich Quartier bezogen hat. So bildet das fast dokumentarisch wirkende Drama auch zufällig eingefangene Momentaufnahmen ab, die den quasi-realistischen Stil unterstreichen.

Am meisten überraschen allerdings die schauspielerischen Leistungen. Bis auf Dafoe handelt es sich hier fast ausschließlich um Laiendarsteller, von denen sich – neben den Kindern – insbesondere Vinaite als Naturtalent erweist. Nicht verpassen!


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN