Jazz wie aus der Garage Gitarrist Tobias Hoffmann stellt sein neues Album vor

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Der Mann hat Humor: Tobias Hoffmann. Foto: Jonas LöllmannDer Mann hat Humor: Tobias Hoffmann. Foto: Jonas Löllmann

Osnabrück. Tobias Hoffmann zählt zu den spannendsten Erscheinungen der jüngeren deutschen Jazzszene. Jetzt hat er sein neues Album vorgelegt, das er am Donnerstag auch im Osnabrücker Blue Note vorstellt.

Klar kann man eine Nummer von Thelonious Monk mit dem Banjo spielen. Wessen Musik steckt sonst noch so voller hintergründigem Humor? Und welcher Musiker könnte den besser herauskitzeln als Tobias Hoffmann, der begnadete Jazzgitarrist und eben Banjospieler?

Britney Spears und die Jazz-Tradition

„Blues, Ballads & Britney“ heißt Hoffmanns neues Album, und es ist, was der Titel sagt: eine Rückbesinnung auf den Blues, ein Schwelgen in Balladen und, jawohl, „Toxic“ von Britney Spears. Ein Sprung in Richtung Pop, auf der Suche nach neuen Inspirationsquellen für den Jazz? Ach was; er sieht sich da keineswegs als Trendsetter. Das Album „The New Standard“, auf dem Herbie Hancock in den Neunzigern Rock und R&B in Jazz überführte, nennt Hoffmann als eine wichtige Inspirationsquelle. Und auch der folgte damit nur einer Grundlinie der geschichtlichen Entwicklung. „Ich sehe mich da in der Tradition des Jazz“, sagt Hoffmann, „der ja immer Musical-Songs oder Schlager benutzt hat.“ Weiterlesen: Vor zwei Jahren hat Tobias Hoffmann im Blue Note gastiert

Kunstvoller Minimalismus

Dabei ist Hoffmann zusammen mit Bassist Frank Schönhofer und Drummer Etienne Nillesen ein Meister der Reduktion. Seine Interpretationen lassen viel Raum, beschränken sich – darin Theloniuos Monk gar nicht mal so unähnlich – auf das, was unbedingt gesagt und gespielt werden muss. Gleichzeitig weckt das Album den Anschein von Garage: unmittelbar, unverfälscht, roh, wenn auch ohne Dreck unter den Fingernägeln, klingt Hoffmanns Trio. Doch die Verschiebungen im Metrum, der generelle Minimalismus sind hoch artifiziell. Weiterlesen: Jazzgitarrist aus New York: Gilad Hekselman

Zehn Nummern hat Hoffmann diesmal aufgenommen, pur, ohne Schnitte, ohne zusätzliche Tonspuren – er bleibt sich und seinem Sound treu. Das heißt immer: Da ist die Fender-Gitarre, da ist der Vibrato-Haken, die country-inspirierten Weiten des Klangs. Dabei sind Stücke von großen Jazz-Meistern wie Duke Ellington, aber mit Willi Dixons „Spoonfull“ auch eine Reverenz an Eric Claptons Zeit bei Cream. Oder eine kleine Parodie? „Auf jeden Fall bin ich totaler Fan, auch wenn ich weiß, dass er, gerade bei Jazzern, umstritten ist.“


Tobias Hoffmann: „Blues, Ballads & Britney“. (Klaengrecords)Live: Donnerstag, 20.30 Uhr, Blue Note. Kartentelefon: 0541/600650

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