Filmvorführung im Hasetor-Kino Lars Kraume stellt „Das schweigende Klassenzimmer“ vor

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Bei seinem Besuch in Osnabrück wurden bei Lars Kraume Erinnerungen an seine Kindheit wach. Foto: David EbenerBei seinem Besuch in Osnabrück wurden bei Lars Kraume Erinnerungen an seine Kindheit wach. Foto: David Ebener

Osnabrück. Nach „Der Staat gegen Fritz Bauer“ hat Lars Kraume jetzt einen weiteren Film vorgelegt, der in den 1950er Jahren spielt. Und auch „Das schweigende Klassenzimmer“ beruht auf einer wahren Geschichte. Jetzt stellte der Regisseur das Werk im Hasetor-Kino vor.

Für Lars Kraume ist der Besuch eine Reise in die Vergangenheit: Seine Großeltern haben im Stadtteil „Wüste“ gelebt. Wenn er mit seinen Eltern zu Besuch war, habe er sich als Jugendlicher im Hasetor-Kino den Vormittag vertrieben, „bis der Rinderbraten auf dem Tisch stand“, erzählt der 45-jährige Regisseur und Drehbuchautor.

Die Ereignisse, denen sich „Das schweigende Klassenzimmer“ widmet, fanden im Jahr 1956 statt. 2006 sind die Erinnerungen von Dietrich Garstka dazu im Ullstein-Verlag erschienen. Warum ist der Film erst jetzt zu sehen? Er habe das Buch kurz nach seinem Erscheinen gelesen, erzählt Kraume. Allerdings sei erst durch die Beschäftigung mit Fritz Bauer sein Interesse für die deutsche Nachkriegszeit geweckt worden. Und so habe er wieder Garstkas Buch aufgegriffen.

Darin erinnert sich Dietrich Garstka an die wohl wichtigsten fünf Minuten seines Lebens: So lange hatte er mit seiner Klasse 1956 während des Unterrichts geschwiegen. Aus Solidarität mit den Opfern des Aufstandes in Ungarn. Die kurze Geste zog große Kreise, die Klasse geriet in die politischen Mühlen der DDR. Die Jugendlichen hielten trotz staatlichem Druck zusammen. Am Ende sollten sie vom Abitur ausgeschlossen werden.

Der Film beruht auf Garstkas Sachbuch. Kraume hat das Drehbuch verfasst, das eine eigene Dynamik benötige, so der Filmemacher. So spiegeln im Film gleich zwei Rollen die Figur Garstkas: Theo (Leonard Schleicher) und Kurt (Tom Gramenz), die gemeinsam die Idee mit der Schweigeminute entwickeln und um Lena (Lena Klenke) buhlen. Auch die anderen Figuren im Film hat es so nicht gegeben: Der Vater von Theo (Ronald Zehrfeld), der beim Aufstand vom 17. Juni 1953 dabei gewesen war, oder Edgar (Michael Gwisdek), bei dem die Schüler den in der DDR verbotenen Radiosender RIAS hören.

Das funktioniert gut. Meistens. Dass aber Erik Babinsky (Jonas Dassler) auf einen Lehrer schießt, bereichert die Geschichte nicht. Sie bietet auch ohne diese überzogene Szene genug Spannung, die Rollen sind großartig besetzt.

Dass er als westlich sozialisierter Regisseur eine ostdeutsche Geschichte erzählt, sieht Kraume entspannt: Er habe sich eng mit Dietrich Garstka abgestimmt und müsse jeden seiner Filme detailliert recherchieren. Als er den Film im Osten Deutschlands vorgestellt hat, habe es nur gute Reaktionen gegeben.

So ist das auch im Hasetor-Kino. Und es wird gefragt, was aus den Schülern geworden ist: Die meisten flohen in den Westen und machten ihr Abitur. Vier Schülerinnen blieben aus familiären Gründen in der DDR, wechselten aber die Schule und legten dort die Prüfungen ab. Garstka war bis zu seiner Pensionierung Lehrer.


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