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12.03.2018, 18:14 Uhr AUSSTELLUNG MUSIK

Ist die Freiheit der Kunst wieder in Gefahr?

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Als die Kunst verfolgt wurde: ARCHIV - Adolf Hitler (r) und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels Joseph Goebbels (M) besuchen 1937 die Ausstellung „Entartete Kunst“ im Haus der Kunst in München (Bayern). Die Wanderausstellung markierte einen Wendepunkt in der NS-Kunstpolitik. Ab August 1937 wurden die Museumsbestände moderner Kunst fast vollständig geplündert. Foto: Ullstein/Ullstein/dpaAls die Kunst verfolgt wurde: ARCHIV - Adolf Hitler (r) und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels Joseph Goebbels (M) besuchen 1937 die Ausstellung „Entartete Kunst“ im Haus der Kunst in München (Bayern). Die Wanderausstellung markierte einen Wendepunkt in der NS-Kunstpolitik. Ab August 1937 wurden die Museumsbestände moderner Kunst fast vollständig geplündert. Foto: Ullstein/Ullstein/dpa

Osnabrück. Kunst findet heute niemand mehr „entartet“. Ihre Freiheit ist dennoch wieder in Gefahr. Political Correctness und Rechtspopulismus stellen diese Freiheit infrage. Eine Gefahr.

Entartete Kunst. Das ist lange her, ein Kapitel in den Geschichtsbüchern, dort, wo es um den Nationalsozialismus geht. Aber ist das wirklich nur ein Thema aus dem grauen Gestern? Die Freiheit der Kunst ist heute garantiert, zumindest in den Gesellschaften des Westens. Aber diese Liberalität wird wieder infrage gestellt. Ob Verbotsdiskurse der Political Correctness oder rechtspopulistische Polemiken gegen die Kunst – ihre Freiheit muss neu verteidigt werden. Hier weiterlesen: Probleme mit der Erinnerung - Gedenkstätte Bückeberg.

Gerade deshalb kommt eine Ausstellung wie „Das verdächtige Saxofon“ zur rechten Zeit. Wer sich mit dem Thema der „entarteten Kunst“ beschäftigt, kann nachvollziehen, was den Verboten der Nationalsozialisten vorausging – Diffamierung, Ausgrenzung und eine tückische Verdrehung der Sprache. Hier weiterlesen: Prekäre Erinnerung? Gedenken braucht die Arbeit der Lebenden.

Heute gibt es in Deutschland Politiker, die Documenta-Kunst „entstellt“ nennen und „entartet“ meinen. Es gibt SittenwächterInnen, die ein Gedicht zensieren, weil es angeblich übergriffig sein soll. Andernorts werden Gemälde abgehängt, Ausstellungen abgesagt. Man nimmt wieder Anstoß und tarnt Intoleranz mit bigotten Bedenken. Machen wir uns nichts vor: Die Freiheit der Kunst ist in Gefahr, wieder einmal. Hier weiterlesen: Literatur gegen Antisemitismus - Autor Hans Joachim Schädlich im Interview.


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