Vermittler Vordemberge-Gildewarts Künstler Dietrich Helms wird 85 Jahre alt

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Künstler auf den Spuren von Vordemberge-Gildewart: Dietrich Helms bei einer Ausstellung seiner Werke in den Räumen des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land in Bad Iburg. Foto: Swaantje HehmannKünstler auf den Spuren von Vordemberge-Gildewart: Dietrich Helms bei einer Ausstellung seiner Werke in den Räumen des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land in Bad Iburg. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Er ist Künstler, Kunstvermittler, Hochschullehrer: Dietrich Helms hat sich als Experte für das Werk Friedrich Vordemberge-Gildewarts einen Namen gemacht. Als Künstler hat er ein gewichtiges Werk geschaffen. Am 13. März 2018 wird Helms 85 Jahre alt.

Zugewandtheit, Humor und Genauigkeit: Mit diesen drei Begriffen hat Dietrich Helms sein großes Vorbild Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899– 1962) vor Jahren in einem Interview beschrieben. Helms zeichnete damit zugleich die Kontur seiner eigenen Persönlichkeit. Eine Überraschung? Nein, eher verstecktes Programm, denn der in Osnabrück geborene Helms ist als wichtigster Vermittler des Werkes von Vordemberge und als Künstler eine veritable Doppelbegabung. Heute wird er 85 Jahre alt. Hier weiterlesen: Dietrich Helms´ Kunstgeschenk an Osnabrück.

Genau sein, locker bleiben

Genau sein und dabei locker bleiben: Diese künstlerische Haltung hat Helms früh bei Vordemberge-Gildewart gelernt. 1952 macht er sich von Hamburg aus zu „VG“ auf den Weg. Zwei Tage lang fährt der junge Kunststudent von Hamburg nach Amsterdam. Mit dem Fahrrad. Die Begegnung mit dem stillen Star der Konkreten Kunst bestimmt Helms’ Leben anhaltend. Er arbeitet nicht nur in der Tradition jener geometrischen Kunst weiter, die Vordemberge geprägt hatte. Helms geht auch daran, das Werk des Vorbildes einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Hier weiterlesen: Erinnerung an Vordemberge-Gildewart - Dietrich Helms im Interview.

Gründlicher Geistesarbeiter

Und die hat Nachholbedarf. Denn Vordemberge-Gildewart gehört zu den Verfemten, von den Nationalsozialisten in das Exil getriebenen Künstlern. Helms hilft, nicht als forscher Promoter, sondern als gründlicher und gerade deshalb „VG“ sehr nahestehender Geistesarbeiter. Helms publiziert Vordemberges Schriften und besorgt sein 1990 publiziertes Werkverzeichnis. Helms schärft mit seinen Publikationen die Kontur von Vordemberges Werk als Parallelaktion, die in ebenso sinnlichen wie durchdachten Bildern und in klug formulierten Essays ihre Energiezentren ausbildete. Hier weiterlesen: Frischer Blick auf die Moderne - Dietrich Helms stellt in Osnabrück aus.

Im Rat der Documenta

Dietrich Helms hat sein Vorbild nicht kopiert. Aber er folgt dessen Werkstruktur in bezeichnender Weise. Helms absolviert seine Ausbildung in Hamburg und Kassel. Nach Hamburg kehrt er an die Hochschule für bildende Künste zurück, an der er von 1965 bis 1998 lehrt. Jahrelang schreibt Helms als Kunstkritiker für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, engagiert sich im Deutschen Künstlerbund, wirkt 1968 sogar im Documenta-Rat mit. Kunst ist für ihn kein flotter Geniestreich, sondern Ergebnis geduldiger Gedankenarbeit, die sich nicht nur auf das einzelne Bild, sondern auch auf die Bedingungen ihres Entstehens und ihrer Präsentation richtet. Mit seinen „Rautenbildern“ begibt sich Helms noch am ehesten auf die von Vordemberge-Gildewart vorgezeichneten Pfade. Mit anderen Werkgruppen revitalisiert er aber den Surrealismus. Hier weiterlesen: Matinee zu „VG“ mit Dietrich Helms.

Farbe wie Nivea-Creme

Helms nennt seine Bilder lakonisch „Sachen“, behandelt Farbe wie „Nivea-Creme“ oder arbeitet nach eigenem Bekunden „wie ein Suppenkoch“. Hinter flapsigem Statement verbirgt sich das Spiel mit dem gelenkten Zufall, wenn er Blätter auf Steine in Bachläufen legt oder Farben auf Bildern ihr Eigenleben entfalten lässt. „Er hat mir gezeigt, dass man nicht einfach einen Plan machen und den durchziehen kann“, sagte Helms im Interview über Vordemberge. Diese Philosophie lebt er als Künstler selbst, kreativ, wach, zugewandt, in jedem Moment offen für das Wagnis.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN