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„Mit Musik kann man etwas bewegen“

Ganz ins Cellospiel versunken: Jan Vogler wurde fotografisch in Aktion eingefangen. Foto: Uwe ArensGanz ins Cellospiel versunken: Jan Vogler wurde fotografisch in Aktion eingefangen. Foto: Uwe Arens

Jan Vogler hatte schon mit 20 Jahren erreicht, wovon die meisten Musiker in der ehemaligen DDR nur träumen konnten: Er wurde zum Solocellisten der Dresdner Staatskapelle berufen. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in New York und Dresden und gibt als Solist weltweit Konzerte. Im 6. Sinfoniekonzert ist er in Osnabrück zu erleben.

Mit ungewöhnlichen CD-Produktionen sorgt Jan Vogler für Furore, etwa, wenn er Kompositionen von Schostakowitsch und Jimi Hendrix kombiniert. Derzeit nimmt er unter dem Titel „My Tunes 2“ kurze Stücke aus verschiedenen Genres auf, die es ihm besonders angetan haben. Auf der Autofahrt vom Studio in Dresden nach Neubrandenburg zum nächsten Konzert nimmt er sich Zeit für ein Gespräch mit unserer Zeitung – über Freisprechanlage, versteht sich, und manchmal unterbrochen von Funklöchern.

Vor zwei Wochen hat Vogler Bundespräsident Horst Köhler auf Staatsbesuch in Korea begleitet, wovon er beeindruckt erzählt: „Es war eine sehr intensive Zeit und eine Chance für mich zu begreifen, wie wichtig Kultur als verbindendes Element auch in den Beziehungen zwischen Nationen sein kann.“ Überhaupt mischt sich Vogler gern ins Musikleben ein und prägt als Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals sowie als Intendant der Dresdner Musikfestspiele die Kulturlandschaft ganz bewusst mit: „Ich finde es wichtig, ein Sendungsbewusstsein zu entwickeln. Ich glaube, dass man mit Musik etwas bewegen kann und sich selbst und dem Publikum gegenüber Verantwortung trägt. Kultur ist schließlich das, was uns zu Menschen macht. Wenn man an bestimmte Kulturepochen zurückdenkt, fällt einem nicht zuerst ein, was irgendjemand mal im Jahr 1650 an Geld verdient hat, sondern was zum Beispiel ein großer Maler oder Bildhauer geschaffen hat.“

Auch bei seinen CD-Produktionen geht es Vogler immer um eine Geschichte, um ein „Zeitbild“. So wie bei seiner Schostakowitsch-Hendrix-CD (unter dem Titel: „Live from New York“, 2009): „Schostakowitschs Cellokonzert ist das genialste Werk für Cello des 20. Jahrhunderts. Dafür habe ich mit ‚The Knights‘ in New York das ideale Orchester gefunden. Die Aufnahme entstand in einem Studio, in dem früher Jimi Hendrix oft aufgetreten ist. Schostakowitsch war Pazifist. Hendrix auch. Und auch musikalisch gibt es durchaus Berührungspunkte, sodass irgendwann die Kombination der beiden Komponisten für die Aufnahme nahelag.“

In Osnabrück ist Vogler mit dem Cellokonzert von Antonin Dvor ˆ ák zu hören. Auch dazu weiß der Ausnahmecellist eine Geschichte: Dvor ˆ ák war zeitlebens verliebt in seine Schwägerin Josefine, deren Lieblingslied „Lass mich allein in meinen Träumen“ war. Als Dvor ˆ ák erfuhr, dass Josefine im Sterben lag, arbeitete er in die Komposition seines Cello-Konzerts ebendiese Melodie hinein, die am Ende noch einmal von der Solovioline zitiert wird. Weil kaum jemand diese Geschichte kennt, hat Vogler seiner Dvor ˆ ák-Einspielung aus dem Jahr 2005 den Titel „The Secrets of Dvor ˆ ák’s Cello Concerto“ gegeben. Diese Einspielung wurde übrigens mit mehreren Preisen wie dem „Diapason d’Or“ ausgezeichnet.

Neben Dvor ˆ áks Cellokonzert steht Leos Janáceks „Sinfonietta“ auf dem Programm des 6. Sinfoniekonzerts am morgigen Sonntag um 11 Uhr und Montag, 1.3., um 20 Uhr. Die musikalische Leitung hat GMD Hermann Bäumer. Karten im Vorverkauf gibt es unter Tel. 0541/7600076.


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