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Große Leichtigkeit in schweren Keramiken

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Akribische Künstlerin: Ruth Landmann in ihrem Atelier in einer Aufnahme aus den 50er Jahren. Foto: privatAkribische Künstlerin: Ruth Landmann in ihrem Atelier in einer Aufnahme aus den 50er Jahren. Foto: privat

Auch wenn die Glasfenster die Schöpfung zeigen, steht der christlichen Geschichte immer ein weltlicher Aspekt zur Seite. In Variationen von Blau- und Grüntönen erzählt Ruth Landmann nicht die Verse der Genesis nach, sondern schafft über muschelartige Symbole die Grundlage zur freien Assoziation für den Betrachter. Damit füllen die Arbeiten der kürzlich im Alter von 96 Jahren verstorbenen Osnabrücker Künstlerin die gesamte Elisabethkirche in Bad Rothenfelde mit einer Aura der entspannten Aus einandersetzung mit Glau bens inhalten.

Kein Wunder, denn Landmann hat stets auch auf Literatur außerhalb von Bibel und Theologie zurückgegriffen. Bekam sie einen Auftrag, sammelte sie akribisch Texte, schrieb Zitate aus Büchern heraus, komprimierte das Gelesene und formulierte daraus eine Programmschrift für ihr jeweiliges Werk. Dabei stand sie dem Denken des französischen Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin, der naturwissenschaftliches Denken mit christlichem Glauben verband, sehr nah.

„Erst das Gehirn erfüllt diese Welt mit Licht“, schrieb die Künstlerin zu dem Flachrelief „Augenblick“ aus dem Jahr 1982 in Bad Laer. Die klare Formensprache ihrer meist keramischen Arbeiten ist mehr als nur Nacherzählung biblischer Geschichten – wie auf dem Kreuzweg zwischen Haste und Rulle. Oder bei der Ausgestaltung der Klosterkirche der Missionare der Heiligen Familie im Nordwesten Roms.

Hier streben im Mosaik hinter dem Altar die Engel wie Schwalben gen Himmel. Diese Leichtigkeit reißt nicht nur die Augen des Betrachters, sondern auch sein Herz mit, ist Verbindung von Erde und Himmel, damit auch von Verstand und Glaube. Gleichzeitig wird die Welt aber nicht aufgegeben, bleibt als Bezugspunkt stets gegenwärtig. Diese Mosaiktechnik, die laut Hanns-Gerd Rabe „das Einfache verlangt, aber die Größe fordert“, hat auch viele Kirchen der Region belebt und ist noch heute unter anderem in St. Elisabeth in Osnabrück oder der Thomaskirche in Bohmte zu sehen.


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