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Publikum feiert “Chaplin“ Theater Osnabrück zeigt Charlie Chaplin in bunt

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Osnabrück. Ziemlich schrill sieht es auf der Bühne des Theaters am Domhof aus: Regisseur Chrstian von Götz hat das Musical „Chaplin“ in knallige Farben getaucht.

Vielleicht muss Musical so sein: Da wird besungen, „was Liebe nur vermag“, und es heißt: „Alles, was bleibt, ist die Erinnerung ans Glück.“ Charlie Chaplins Lebensresümee schließlich gipfelt in der gewagten Metapher „Schwarzweiß wie verbrannter Schnee“. Klingt ein bisschen, als wäre Helene Fischer traurig und überdies an schlechte Texter geraten. Weiterlesen: Warum ist Helene Fischer so erfolgreich?

Solides Handwerk

Man muss auch nicht drum herumreden: Das Musical, von dem hier die Rede ist, zählt nicht zu den Gipfelwerken des Genres. Wenigstens liefert „Chaplin“ von Christopher Curtis aber musikalisch solides Handwerk: Von Charleston über Swing bis zur Ballade deckt das Stück die traditionelle Bandbreite des Genres ab, ohne dem Publikum eine besonders charakteristische Handschrift zuzumuten. An-Hoon Song und das Osnabrücker Symphonieorchester widmen sich der Musik indes mit dem Ernst, den die deutsche Erstaufführung des Musicals gebietet, und setzen sämtliche Ausdruckslagen schön in Szene: Die Swing-Nummern fetzen, und die Balladen – davon gibt es eine ganze Menge – schmelzen und schluchzen.

Einzigartig ist der Stoff, eben das Leben Charlie Chaplins, und das mag das Theater Osnabrück bewogen haben, sich die deutsche Erstaufführung des Werks zu sichern. Chaplins Aufstieg aus Londoner Elendsvierteln über Vaudeville-Theater zu einem der mächtigsten Männer der Filmbranche, die Ehen mit sehr jungen Frauen und natürlich Chaplins Film-Alter-Ego, der „Tramp“ , aus alldem lässt sich schon ein Musical zimmern. Weiterlesen: Letztes Jahr kam die Addams Family nach Osnabrück

Im Osnabrücker Theater am Domhof gibt der Film den Rahmen vor: Leise Streichermusik und das Rattern eines Filmprojektors stimmen nostalgisch, dann geht das Licht aus, und wir sehen einen Tramp, der aussieht wie Chaplins Tramp. Auf einer Wiese tanzt er mit jungen Mädchen, und schließlich tritt er aus dem Film auf die Bühne des Theaters: „Das ganze Leben kann wie ein Film sein“, ist eine weitere Weisheit des Textbuches. Verena Hierholzer hat die stumme Rolle des Film-Tramps übernommen: Sie watschelt und tanzt über die Bühne, blinzelt und lächelt ins Publikum, hebt ratlos-komisch die Schultern. Dafür, dass die Figur sich kaum kopieren lässt, macht Hierholzer ihre Sache hervorragend.

Charlie Chaplin in Tim Burtons Welt

Am Ende verschwindet dieser Tramp wieder im Film, dazwischen dient er, schwarz-weiß und stumm, als Korrektiv zu Chaplins Lebensdrama. Das nämlich haben Regisseur Christian von Götz und Kostümbildnerin Sarah Mittenbühler sich bunt gedacht, schrill bunt: Kostüme in knalligen Farben und grotesk auftoupierte Frisuren überführen Chaplins Leben in die Bilderwelt des Puppen- und Comicmagiers Tim Burton. Fürs Auge bietet der Abend jedenfalls eine ganze Menge.

Mark Hamman entfaltet in der Titelrolle sein schauspielerisches Talent, und er singt einfühlsam von der Zerrissenheit des Künstlers. Die Grundstimmung ist nämlich eher dunkel, weil Chaplin selbst darunter leidet, dass er vor den Problemen in seinem Umfeld in die Kunst flieht – sei es die kranke Mutter, seien es die blutjungen Frauen, sei es der Bruder Sydney (Tobias Rusnak).

Larmoyanz und rare Gags

Dieses Dilemma übersetzt das Stück allerdings in eine Larmoyanz, die hart an der Peinlichkeit entlangschrammt. Die raren Gags können das nicht auffangen, und Figuren, die aufgescheuchten Vögeln gleich über die Bühne staksen, auch nicht. Immerhin holen Katarina Morfa, Silvio Heil, Stefan Kreimer und Heike Hollenberg das Maximum aus ihren komisch angelegten Rollen, genauso wie Susann Vent-Wunderlich, Erika Simons und Marlene Jubelius aus den tragischen.

Ein Highlight setzen Musicalstudierende des Kooperationspartners Institut für Musik der Hochschule Osnabrück (IfM). Sie erwecken die Choreografien von Kerstin Ried zum Leben, führen singend, tanzend, sprechend vor, was sie können. Eine Chance für den Nachwuchs: Dafür geht dieses Musical dann schon in Ordnung. Und der Schlussjubel auch. Weiterlesen: IfM-Studierende im Gespräch


Die nächsten Vorstellungen: 15., 18, 23. März. Karten gibt es hier.

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