Neues Album „After Bach“ Brad Mehldau und Bachs „Wohltemperiertes Klavier“

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Im Dialog mit Bach: Jazzpianist Brad Mehldau. Foto: David BazemoreIm Dialog mit Bach: Jazzpianist Brad Mehldau. Foto: David Bazemore

Osnabrück. Zuletzt hat Brad Mehldau mit Chris Thile flockigen Bluegrass gespielt. Im neuen Album „After Bach“ beschäftigt er sich mit dem „Wohltemperierten Klavier“.

Nach etwa 90 Sekunden setzt Brad Mehldau so etwas wie ein Branding. B-A-C-H spielt er da im Bass, als wolle er die Devise für die folgende musikalische Reise ausgeben. „Benediction“, zu deutsch: Segen, steht über diesem ersten Stück seines neuen Albums. Wie religiös der Pianist das meint, sei dahingestellt. Spirituell darf man den Titel aber sicher verstehen. Weiterlesen: Brad Mehldaus letztes Album mit Chris Thile

Jazzer mit ausgeprägter Liebe zur Klassik

„After Bach“ heißt das Werk, und das ist insofern bemerkenswert, als Mehldau als derzeit maßgeblichster Jazzpianist gilt. Gleichwohl hat er sich immer mit klassischer Klavierliteratur beschäftigt – einfach, weil er‘s kann und weil er ein ausgeprägtes Faible dafür hegt. Seit geraumer Zeit nun setzt er sich mit Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier auseinander. Aus der Sammlung hat er drei Präludien ausgewählt, eine Fuge sowie ein Paar aus Präludium und Fuge f-Moll: die Marksteine auf seinem Weg, Bachs Musik weiterzuführen. Dass Mehldau dabei als Bach-Interpret mit ausgewiesenen Klassikern mithält – geschenkt. Richtig spannend wird es, wenn die eigenen musikalischen Gedanken ins Spiel kommen.

Schon der „Segen“ atmet den Geist Johann Sebastian Bachs: So könnte tatsächlich ein Präludium des Barockmeisters beginnen. Aber dann verbiegt sich das Thema und wird zu Mehldau, vor allem, wenn er ein vielstimmiges Geflecht aufzieht und ihm die harmonische Luft unserer Tage einhaucht. So gibt „Before Bach – Benediction“ als musikalisches Signet einen spannenden Ausblick auf das, was kommen wird. Dem verspielten Cis-Dur-Präludium aus dem ersten Teil klaut Mehldau das letzte Sechszehntel und bringt das heitere Tänzchen so ins Stolpern. Gleichzeitig betont er einen Offbeat in der linken Hand, wie schon vorher beim Präludium, was wiederum feinsinnige Verbindungslinien von Bach zu Mehldau legt. Weiterlesen: Brad Mehldau bringt den Jazz in die Elbhphilharmonie

Bach oder Mehldau?

Tatsächlich knüpft Mehldau eng an Bach an: Ein Originalmotiv wird zum Ausgangspunkt eigener Studien. Ist das noch Jazz? Klar tauchen jazzig-harmonische Reibungen auf, klingen bluesige Noten durch. Wenn um einen einzelnen Ton herum ganze Klangwelten entstehen, das Album in einen hymnischen Choral mündet: Dann klingt vor allem Brad Mehldau an, wie er von Bach und von der Musik erzählt.


Brad Mehldau: After Bach. 1 CD, erschienen bei Nonesuch

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