Neu im Kino Blutiges Selbstjustiz-Remake mit Bruce Willis: „Death Wish“

Von Kathrin Häger

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Osnabrück. Etwas seltsam ist das schon: Die USA diskutieren seit dem Massaker von Parkland über schärfere Waffengesetze, ein Ruck scheint durch das Land zu gehen. Genau zu diesem Zeitpunkt kommt mit „Death Wish“ ein Film in die Kinos, der behauptet, dass ein Mann ohne Waffe schutzlos der Gewalt um ihn herum ausgeliefert ist.

Osnabrück. Das Recht, sein Hab und Gut notfalls auch mit Waffengewalt zu schützen, wurzelt in den USA bis in den Wilden Westen hinein. Der Schutz dieses Rechts, für das die Waffenlobby NRA jährlich viele Millionen Dollar in ihre Lobby-Arbeit „schießt“, ankert im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung. Und der steht für viele Waffennarren noch vor dem fünften Gebot: „Du sollst nicht töten.“ Als Remake des umstrittenen Selbstjustiz-Films „Ein Mann sieht rot“ (1974) mit Charles Bronson passt der Kinostart von „Death Wish“ zwei Wochen nach dem Florida-Attentat mit 17 toten Schülern nicht nur wie die Faust aufs Auge. Solch ein Starttermin droht auch in selbiges zu gehen – oder dafür zu sensibilisieren, wie auch Hollywood unverfroren mit am Abzug spielt.

In „Death Wish“ sind das „Hab und Gut“ des Chicagoer Chirurgen Paul Kersey seine Frau und Tochter. Einmal gesteht Kersey seiner Therapeutin, wie sehr es ihm zusetzt, die männlichste aller Pflichten nicht erfüllt zu haben: seine Liebsten zu beschützen. Da liegt der Raubüberfall, bei dem seine Frau erschossen wurde und seine Tochter ins Koma fiel, bereits einige Wochen zurück. Eine Sitzung später wird die Psychologin konstatieren, dass er schon viel besser aussehe. „Egal was sie tun, machen sie weiter so!“ Also pult Kersey im OP weiter seinen Patienten die Kugeln aus dem mit Gang-Tattoos verzierten Leib und schießt in Chicagos dunkelsten Ecken als „Sensenmann“ mit Kapuzen-Hoodie auf alles, was nach Verbrecher riecht: Eine Handvoll Entführer im SUV, ein Drogendealer hinter seinem Eis-Karren, ein Auto-Mechaniker unterm Oldtimer – Kersey macht keinen Unterschied, dafür aber kurzen Prozess. Reue ist fehl am Platz, zumal er bald die Männer ausfindig macht, die sein Familienglück zerstörten. Und das wurde auf der Leinwand anfangs in den schönsten Farben ausgemalt, um auch die letzte Zuschauerreihe für Kerseys Rachefeldzug mit ins Boot zu holen.

Dass die Täter großteils mexikanischer Herkunft sind, versucht „Death Wish“ wettzumachen, indem Ärzte und Ermittler zur Hälfte mit Afroamerikanern besetzt sind. Dass hier ein Weißer zur Waffe greift und letztlich vom langen Arm des Gesetzes toleriert wird, machen auch die aufgesetzten Szenen nicht wett, in denen mehrere schwarze Radiomoderatoren mit sich und ihren Zuhörern diskutieren, wie diese Lynchjustiz einzuordnen ist. Der Film diskutiert das nicht. Vielmehr erfährt Kersey im Töten seiner Feinde eine Katharsis, die ihm Recht und Gesetz aufgrund von Überlastung verweigern.

Die Waffenliebe vorgeblich karikierende Werbespots und praktische Youtube-Videos zeigen unterdessen, wie das mit dem Nachladen und Anbohren von Festplatten so funktioniert. Umso aufgeklärter der vormals durch nichts zu provozierende Otto Normalbürger Kersey gezeichnet wird, umso perfider greift die Botschaft von der alles legitimierenden Ausnahmesituation.

„Death Wish“ ist dabei anfangs zweifelsohne spannend und dicht inszeniert – bis Regisseur Eli Roth den Fokus auf das blutige Körper-Kino verschiebt, das ihn bekannt gemacht hat. Ein Mann sieht rot. Der Film tut es ihm gleich und wird dabei zunehmend eintönig. Roth inszenierte bislang ebenfalls von mörderischen Eindringlingen (fleischfressende Bakterien, Männer vergewaltigende Nymphomaninnen) handelnde Filme wie „Cabin Fever“ oder „Knock Knock“ sowie die in Selbstjustiz umschlagenden Folterfilm-Teile „Hostel 1–2“. Da wirkt „Death Wish“ fast wie die „Einbürgerung“ des Genre-Spezialisten. Das brutale Plädoyer zur Gegenwehr zu gegebenem Anlass hievt er in den prominent besetzten Mainstream-Actioner: pro Waffen. Pro Gehirn – aber bitte nur in seiner zermatschten Form.


„Death Wish“. USA 2018. R: Eli Roth. D: Bruce Willis, Elisabeth Sue, Vincent D’Onofrio, Camilla Morrone, Dean Norris, Kimberly Elise. 109 Min. Ab 18 Jahren.

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