Hommage an visionäre Musiker Film über Elektronikpionierband Tangerine Dream als DVD

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Die Bandbesetzung 1980: Edgar Froese, Christoph Franke und Johannes Schmoelling (von links). Foto: Jerome FroeseDie Bandbesetzung 1980: Edgar Froese, Christoph Franke und Johannes Schmoelling (von links). Foto: Jerome Froese

Osnabrück. Ihr Sound faszinierte nicht nur Fans elektronischer Klänge: Die Filmdokumentation „Revolution Of Sound“ porträtiert Tangerine Dream als eine Band, die Künstler und Filmemacher auf der ganzen Welt inspirierte.

Da unterhält sich Salvador Dalí, der König der surrealistischen Malerei, mit deutschen Musikern aus Berlin. Rainer Werner Fassbinder erklärt, warum er eine ganz besondere Sorte elektronische Musik mag. Starfotograf Jim Rakete erzählt über seine Erlebnisse mit einer Band in Amerika. Und ein junger Mann berichtet, dass ein gewisser David Bowie in seinem Elternhaus in Berlin aus und ein ging. Wer den Film „Revolution Of Sound“ anschaut, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Es handelt sich um eine Dokumentation über die Band Tangerine Dream.

Sie gehört zu den Pioniertruppen der elektronischen Musik. Ihr Begründer, Edgar Froese, wollte mit seiner Musik die Grenzen der Zeit überwinden. Als eine der ersten Bands arbeiteten die Mitglieder mit synthetischen Klängen, die sich in variablen Mustern wiederholen und variiert werden. Es entstanden eigenwillige Sounds, die weltweit andere Musiker, aber auch bildende Künstler und Filmemacher inspirierten. Ohne zu über- oder zu untertreiben, wählten die Produzenten des Films den Titel „Revolution Of Sound“. Nachdem die 87-minütige Dokumentation nach der Fertigstellung im vergangenen Jahr in ausgesuchten Kinos vorgestellt worden war, ist sie jetzt auch als DVD im Handel, angereichert mit mehr als 60 Minuten Bonusmaterial.

Man mag es kaum glauben, wenn man Tangerine Dreams sphärische Klänge in den Ohren hat: In den wilden 60er Jahren hörte sich die Musik von Edgar Froese noch ganz anders an. Wie man in Original-Filmaufnahmen sehen kann, generierte er mit seinen Freunden damals eine rohe Mischung aus Rock und Freejazz. Froese selbst spielte Gitarre. Später stieß ein anderer Pionier der Elektronik, Klaus Schulze, zu der Band, weil er imstande war, über längere Zeit kontinuierlich einen Beat zu spielen. In packenden Bildern beschreibt der Film, wie sich die Band nach und nach der Erforschung neuer Klänge widmet, für die es keiner Gitarren, Geigen oder Schlagzeuge bedurfte. So kommt in dem Film unter anderem ein Mann namens Robert Moog zu Wort, der den gleichnamigen modularen Synthesizer produzierte und den Tangerine Dream als eine der ersten Bands einsetzte.

Wie viele Künstler von der Transzendenz der TD-Musik fasziniert waren, offenbart der Film von Regisseurin Margarete Kreuzer genauso wie die weltweite Resonanz, die TD mit Live-Konzerten sowie zunehmend auch mit Soundtracks für amerikanische Filmproduktionen erzielte. Als Erzähler konnte übrigens Alexander Hacke gewonnen werden, der Bassist der Einstürzenden Neubauten. Und der junge Mann, der eingangs erwähnt wird, ist Jerome Froese, der als kleiner Junge David Bowie kennen lernte. Der verbrachte gerade seine Zeit in Berlin und war mit Jeromes Vater Edgar und seiner Mutter befreundet.

Regisseurin Kreuzer will ihre Dokumentation als Hommage an einen großen, visionären Musiker verstanden wissen. Edgar Froese verstarb im Januar 2015 in Wien. 


„Tangerine Dream: Revolution Of Sound“. Ein Film von Margarete Kreuzer, Deutschland, 2017, DVD, 87 Min., plus 65 Min. Bonusmaterial. good!movies.

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