Grandioser Film über den Tod Harry Dean Stanton als „Lucky“: Zurück ins Nichts

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Berlin. Im letzten Herbst ist Harry Dean Stanton gestorben. Davor hat er noch einen grandiosen Film über den Tod gedreht. Jetzt kommt „Lucky“ ins Kino.

Den Tod hinnehmen: „Lucky“

„Realismus“, schlägt Lucky beim Kreuzworträtseln im Lexikon nach, „ist die Praxis, eine Situation so zu akzeptieren, wie sie ist.“ Im Fall des Navy-Veterans ist das sein naher Tod. 90 Jahre lang haben ihn Zigaretten, Bloody Marys und seine täglichen Yoga-Übungen gut durchs Leben gebracht. Dann fällt er ohne Anlass in Ohnmacht und begreift: Mit diesem Sturz fängt sein eigenes Ende an. Als er zum Hausarzt geht, hat auch der nur den Rat, es hinzunehmen, wie es ist, und sich damit zu trösten: „Die Wenigsten erreichen den Punkt, an dem du jetzt bist, kaum einer macht diese Erfahrung.“

Harry Dean Stantons Existenzphilosophie

Der Arzt ist nicht der einzige, der existenzielle Wahrheiten mit großer Gelassenheit ausspricht. In John Carroll Lynchs umwerfenden Film über das Sterben ist jeder ein Daseinsphilosoph. Allen voran Lucky selbst, der mit nüchternem Nihilismus die Existenz einer unsterblichen Seele bestreitet und dann auf einem Kindergeburtstag „Volver“ singt, einen Song über das Heimkehren. Hier ist das nur als Rückkehr in das unbegreifliche Nichts zu begreifen, aus dem der Held für einen kurzen, verblüffenden Moment ins Leben gestolpert war.

Zwischen Fiktion und Porträt

Lucky ist eine Rolle und der Film kein dokumentarisches Porträt seines Hauptdarstellers Harry Dean Stanton. Aber so wie die Nebenpersonen mit Stantons Weggefährten besetzt sind, so setzt sich auch seine Figur aus Bausteinen zusammen, die der realen Person abgeschaut sind. Die Navy und die Liebe zu Kreuzworträtseln und Game-Shows, die Zigaretten und die besten seiner Dialog-Zeilen: All das hat Lucky dem Team zufolge vom Star aus Werken wie „Paris, Texas“ und „Twin Peaks“ geerbt. Nach Drehschluss ist noch eine letzte Parallele dazugekommen: Am 15. September 2017 ist Harry Dean Stanton gestorben.

„Lucky“. USA 2017. R: John Carroll Lynch. D: Harry Dean Stanton, Tom Skerritt, David Lynch, Beth Grant, Ron Livingston. 87 Minuten, ohne Altersbeschränkung. Cinema-Arthouse..


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