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06.03.2018, 16:54 Uhr KOMMENTAR

Exilarchiv: Brücke des Verstehens

Kommentar von Christine Adam

Auch ein deutsches Schicksal: Dreharbeiten zu einem ARD-Fernsehfilm über Flüchtlinge, die in den Jahren 1946/47 in Ostpreußen auf der Flucht Richtung Westen sind. Foto: dpaAuch ein deutsches Schicksal: Dreharbeiten zu einem ARD-Fernsehfilm über Flüchtlinge, die in den Jahren 1946/47 in Ostpreußen auf der Flucht Richtung Westen sind. Foto: dpa

Osnabrück. Der Zeitpunkt, die neue Dauerausstellung „Exil. Erfahrung und Zeugnis“ in Frankfurt zu eröffnen, ist günstig. Sie hilft, Brücken der Verständigung zu schlagen – ein Kommentar.

Der Zeitpunkt, diese neue Dauerausstellung zu eröffnen, ist günstig: Gerade noch leben Zeitzeugen, die selbst vor den Nationalsozialisten geflohen oder von ihnen vertrieben worden sind. Sie können mit ihren lebendigen Erinnerungen beglaubigen, was sonst nach und nach im abstrakten Nebel der Geschichte verschwinden würde. Die Flüchtlinge unserer Tage hingegen finden in der Frankfurter Deutschen Nationalbibliothek nun handfeste Spuren davon, dass auch Deutsche die Fluchterfahrung kennen – das verbindet.

Auch wenn das alles über 70 Jahre her ist, bleiben die Nöte dieselben: Ein Neustart im Exil ist mit viel äußerlicher Unsicherheit und verunsicherter Identität verbunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte nicht jeder die Möglichkeit, in die alte Heimat zurückzukehren. Vertriebene litten oft ihr Leben lang bitter unter Heimweh und der Tatsache, nicht mehr nach Schlesien oder Masuren zurückkehren zu können. Die Situation jüngst Geflüchteter können wir hierzulande also besonders gut verstehen. Eine Schau wie die in Frankfurt hilft, Brücken der Verständigung zu schlagen.


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