90. Oscar-Nacht steht bevor Oscars 2018: Warum traut sich Casey Affleck nicht hin?

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Im letzten Jahr hat Casey Affleck den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen; diesmal traut er sich nicht mal mehr ins Publikum. Foto: Ian West/PA Wire/dpaIm letzten Jahr hat Casey Affleck den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen; diesmal traut er sich nicht mal mehr ins Publikum. Foto: Ian West/PA Wire/dpa

Berlin. Casey Affleck kommt nicht – und führt damit mehr als alle Anwesenden vor, wie sehr die 90. Oscar-Nacht im Zeichen der #MeToo-Debatte steht.

Warum kommt Casey Affleck nicht zu den Oscars?

Den Oscar für die beste Hauptdarstellerin überreicht traditionell der beste Darsteller des Vorjahres. In der 90. Oscar-Gala, die in der Nacht zum Montag stattfindet, müsste das Casey Affleck sein. Tatsächlich sitzt er nicht mal im Publikum. Der Grund für seine Absage: Vor acht Jahren hatte er sich mit zwei Frauen außergerichtlich über den Vorwurf sexueller Belästigung geeinigt. 2017 war das noch kein Hindernis, ihm den Hauptpreis zu überreichen. Ein Jahr später kann er sich nicht mehr sehen lassen. (Oscars 2018: Das sind die Nominierten)

Das Beispiel führt noch einmal vor Augen, wie radikal der Weinstein-Skandal und die #MeToo-Debatte die Stimmung in Hollywood verändert haben. Auf die Riege der Nominierten haben die Debatten unmittelbaren Einfluss: Christopher Plummer ist nur deshalb nominiert (übrigens als ältester Darsteller der Oscar-Geschichte), weil er Kevin Spacey in Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ ersetzt hat – nachdem Spacey Übergriffe vorgeworfen wurden. Rachel Morrison, die das Rassismus-Drama „Mudbound“ fotografiert hat, ist als erste Kamerafrau in 90 Jahren Oscar-Geschichte überhaupt nominiert. Greta Gerwig ist eine von nur fünf Frauen, die je für die beste Regie nominiert wurde. Falls sie mit „Lady Bird“ gewinnt, wäre sie nach Kathryn Bigelow die zweite Preisträgerin.

Weibliche Stars und Themen der Oscar-Nacht

In Gerwigs „Lady Bird“ kämpft sich die Titelheldin aus einer katholischen Highschool in das freie Klima einer Ostküsten-Uni. Der Film ist ausdrücklich als Antwort auf männliche Coming-of-Age-Filme wie Truffauts „Sie küßten und sie schlugen ihn“ und Linklaters „Boyhood“ (2015) konzipiert – und einer von vielen Nominierten, mit denen die Academy sich zur Diversität bekennt. Luca Guadagninos schwuler Coming-of-Age-Film „Call Me by Your Name“ ist ein weiterer. Und auch Filme männlicher Regisseure machen sich diesmal um weibliche Themen verdient: Siebenfach nominiert, gehört Martin McDonaghs „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ zu den Favoriten. Frances McDormand kämpft hier um Gerechtigkeit für ihre vergewaltigte und ermordete Tochter. (Oscars 2018: Warum ist Fatih Akin nicht mehr im Rennen?)

#OcarsSoWhite? Afro-Amerikaner in der Oscar-Nacht

Dass auch die Debatte um allzu weiße Oscar-Nominierungen nachwirkt, sieht man an einem Werk wie „Get Out“: Mit einem Schwarzen als Identifikationsfigur erzählt der Horrorfilm vom Rassismus der vermeintlich liberalen Mittelschicht – und könnte damit bester Film werden. Auch für Regie und Drehbuch ist der Afro-Amerikaner Jordan Peele nominiert. „Get Out“-Hauptdarsteller Daniel Kaluuya ist einer von vier dunkelhäutigen Schauspielern mit Oscar-Hoffnungen. Zum achten Mal nominiert ist der zweifache Oscar-Preisträger Denzel Washington, diesmal als Anwalt in „Roman J. Israel, Esq.“. Die Musikerin Mary J. Blige geht mit „Mudbound“ als beste Nebendarstellerin ins Rennen, einem Rassismus-Drama um einen schwarzen Weltkriegsheimkehrer, der vom Helden zum Opfer des Ku-Klux-Klans wird.

Shape of Water: Top-Favorit der Oscars 2018

Es geht um die Wurst: Alle Oscar-Anwärter in der Kategorie „Bester Film“ sind bei der Pressevorbesichtigung für die Oscar-Party mit Senf auf Hot Dogs geschrieben. Foto: Barbara Munker/dpa

Auch der Film mit den meisten Nominierungen passt ins Bild: Mit „Shape of Water“ könnte der Mexikaner Guillermo del Toro den im Filmbetrieb ebenfalls unterrepräsentierten Lateinamerikanern den Regie-Oscar holen. Die Monster-Romanze, insgesamt 13-fach nominiert, erzählt von einer alle Vorurteile überwindenden Liebe und votiert nebenbei für die Selbstbestimmung von Frauen, Behinderten und Schwulen. Zusätzlich ist der Film auch noch eine mitreißende Hommage an das alte Hollywood. Beim Kopf-an-Kopf-Rennen des letzten Jahres – „Moonlight“ oder „La La Land“ – musste die Academy sich noch zwischen Diversität und nostalgischer Selbstfeier entscheiden. Diesmal kann sie alles in einem einzigen Film prämieren.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN