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28.02.2018, 18:34 Uhr SUHRKAMP HOLT RECHTE NICHT EIN

„Ulysses“ gestrandet: Neue Version kann nicht erscheinen

Von Dr. Stefan Lüddemann


Ein Moloch von Roman: Eine Manuskriptseite aus James Joyce´ „Ulysses“, die 2001 im Auktionshaus Sotheby’s versteigert wurde. Foto: dpaEin Moloch von Roman: Eine Manuskriptseite aus James Joyce´ „Ulysses“, die 2001 im Auktionshaus Sotheby’s versteigert wurde. Foto: dpa

Osnabrück. Suhrkamp setzt die Neuausgabe von James Joyce „Ulysses“ in den Sand. Der Verlag hatte die Rechte an der Übersetzung nicht eingeholt. Ein Desaster.

Was für ein Lapsus. Eigentlich ging es nur darum, die berühmte Übersetzung Hans Wollschlägers von James Joyce’ „Ulysses“ neu herauszubringen. Weil der Suhrkamp-Verlag es unterließ, die Rechte für diese Überarbeitung einzuholen, kann die neue Edition nun nicht erscheinen. Unglaublich. Hier weiterlesen: Erich Kästners Kriegstagebuch in neuer Ausgabe.

Dabei hätte doch von vornherein Einigkeit über diese vom Literaturpublikum mit Spannung erwartete Publikation bestehen können. Der Übersetzer, seine Frau, die Joyce-Philologen, sie alle saßen ja zusammen, um das Ulysses-Projekt zu besprechen. Warum nun der Streit? Es klingt so, als hätten sich Joyce-Fanatiker gründlich zerstritten. Hier weiterlesen: Nicht nur die „Deutschstunde“ - wie Literatur in Deutschland den Geist von 1968 prägte.

Dabei hat erst der Fall Simenon gezeigt, dass offene Rechtefragen ganze Werke aus dem Regal der Buchhandlungen fegen können. Die Maigret-Romane dürfen bei Diogenes nicht mehr erscheinen. Nun trifft es Joyce. Hoffentlich gibt es noch eine Lösung. Ansonsten wäre der Umgang mit einem Jahrhundertwerk blockiert. Das darf nicht sein. Die Lektüre dieses Molochs von einem Roman findet kein Ende. Das gilt auch für seine Übersetzungen.


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