Shakespeare getanzt Wheeldons „Wintermärchen“ in London

Von dpa

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Choreograph Christopher Wheeldon geht neue Wege. Foto: Johan PerssonChoreograph Christopher Wheeldon geht neue Wege. Foto: Johan Persson

London. Christopher Wheeldon gilt als einer der aufregendsten Choreographen unserer Zeit. Jetzt kommt seine neue Adaption von William Shakespeares „Das Wintermärchen“ in Deutschland und weltweit live in die Kinos.

Christopher Wheeldon (44) vergleicht die Welt von Musik und Tanz mit der Malerei. „Mit der Musik fängt alles an. Und dann kommt es darauf an, wie die Musik durch meine Adern fließt und ihren Ausdruck in Bewegung findet. Es ist wie der erste Pinselstrich auf einer leeren Leinwand. Es ist, als ob man Musik malt.“

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London erzählt der Starchoreograph, dass er auf der Straße und unter der Dusche Melodien summt und wie ein Schuljunge Shakespeare-Dramen mit Bleistift und Lineal büffelt. „Ich bin kein Shakespeare-Gelehrter“, sagt er zu der „knotigen Sprache“ von „Das Wintermärchen“. Aber die „komplexe Verbindung von Tragödie und Komödie“ fasziniere ihn. „Ich glaube, es geht im Grunde um Vergebung und Versöhnung, und das ist für unsere heutige Zeit besonders relevant.“

Wheeldons Überarbeitung des Ballettklassikers „Das Wintermärchen“ wird am 28. Februar live aus dem Royal Opera House in Kinos in Deutschland und weltweit übertragen. Mit der modernen Ballett-Inszenierung von „Alice im Wunderland“ und dem Gershwin-Musical „Ein Amerikaner in Paris“ hatte der Brite jüngst Welterfolge verbucht.

Mit einem bescheidenen „Oh, Danke“ reagiert Wheeldon auf den Hinweis, dass er schon längst zu den Größen seines Genres gehört. Er macht klar, dass vor allem seine Erfahrungen in Amerika - am Broadway und in Hollywood - sowie Aufträge für international renommierte Häuser wie das Bolschoi - seinen Stil geprägt haben.

„Ich habe keine Angst vor Entertainment, so lange ich Ballettstücke machen kann, die sowohl tief und interessant als auch unterhaltsam sind“, sagt Wheeldon. Es sei seine „Mission“, das Ballett „am Leben zu erhalten“ und relevant zu machen. Im Ballett sei es möglich, das Publikum mit komplexen Geschichten auf eine „atemberaubende Reise“ zu schicken, ohne dass es um „Junge liebt Mädchen“ oder um Prinzessinen gehe.

Um diese „Mission“ zu erfüllen, hat Wheeldon in seiner Arbeit in den vergangenen Jahren zwei Innovationen eingeführt: die Rückkehr zum abendfüllenden Ballett nach der Tradition seiner berühmten Vorgänger Kenneth MacMillan und Frederick Ashton - und die Erschaffung neuer Musik in Zusammenarbeit mit einem zeitgenössischen Komponisten.

Sowohl „Alice im Wunderland“ als auch „Das Wintermärchen“ entstanden als abendfüllende Stücke im Duett mit dem britischen Komponisten Joby Talbot. „Ich glaube, wir sind als Menschen vom Kindesalter an darauf geeicht, Geschichten erzählt zu bekommen“, sagt Wheeldon. „Ich liebe die Vorstellung, dass Zuschauer, die das erste Mal kommen, sich ins Ballett verlieben und dann wiederkommen, um auch abstrakte und komplexe Stücke zu sehen.“ Zur Teamarbeit mit Talbot sagt er: „Die Zusammenarbeit mit einem lebenden Komponisten macht es möglich, in den Kern der Geschichte vorzudringen, die man vermitteln will.“

Auch Wheeldons nächstes großes Projekt, ein Beitrag zu einer Huldigung zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein, entstand mit Talbot. Die Weltpremiere mit dem Titel „Bernstein Celebration“ wird am 27. März in den Kinos zu sehen sein. Am 16. Mai folgt eine Aufzeichnung des Erfolgsmusicals „Ein Amerikaner in Paris“, bei dem Wheeldon auch Regie führte. Das nächste abendfüllende Ballett soll Ende 2020 fertig sein.

Der am 22. März 1973 in Südwestengland geborene Wheeldon begann mit acht Jahren zu tanzen. Er durchlief die Royal Ballet School und wurde 1991 Mitglied des Royal Ballet in London. Zwei Jahre später, im Alter von nur 19 Jahren, wechselte er an das New York City Ballet und wurde dort 2001 Hauschoreograph. Seine aktive Tanzkarriere gab er im Jahr 2000 auf. Seit 2012 ist er Choreograph bei der Royal Ballet Company (RBC).


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