Ein Bild von Daniel Benedict
25.02.2018, 17:28 Uhr KOMMENTAR

Wie war die erste Berlinale der #MeToo-Ära?

Kommentar von Daniel Benedict

Die Berlinale umarmt ihre Frauen: Dieter Kosslick überreicht Adina Pintilie den Goldenen Bären für ihre Semi-Doku „Touch me not“. Foto: ImagoDie Berlinale umarmt ihre Frauen: Dieter Kosslick überreicht Adina Pintilie den Goldenen Bären für ihre Semi-Doku „Touch me not“. Foto: Imago

Berlin. Die Berlinale 2018 stand im Zeichen der #MeToo-Debatte. Wie hat das Festival sich in bewegten Zeigen geschlagen?

Nur vier der 19 Filme im Wettbewerb stammten von Regisseurinnen. Zwei davon holen die Hauptpreise: Mitten in der #MeToo-Debatte ein klares Zeichen zur Stärkung von Frauen. Leider hatte es die Berlinale mit der Klarheit sonst nicht so. Schon im Vorfeld hatte Festival-Chef Kosslick sich mit einem Sowohl-als-auch positioniert.

Einerseits müsse man die Kunst vom womöglich kriminellen Künstler trennen. Andererseits habe er Filme nicht ins Programm geholt, weil die Männer dahinter „Fehlverhalten“ gestanden hätten.

Das galt allerdings nicht für jeden: Der Regiestar Kim Ki-Duk hat eine Schauspielerin geschlagen, zeigte seinen neuen Film aber trotzdem. Und allein der Streit darüber trägt mehr zur Debatte bei als das Schweigen über ausgeladene Künstler, von denen man nicht einmal die Namen erfährt.

Seit dem Weinstein-Skandal sitzen Filmfans ratlos vor ihren DVDs: Darf man sich noch zu all seinen Lieblingsfilmen bekennen? Verändert Kunst sich durch das Wissen über ihre Entstehung? Die Antwort wird von Fall zu Fall womöglich ganz unterschiedlich ausfallen. Finden kann man sie nur im Gespräch. Ein Festival, das sich als politisch versteht, müsste sich hier offensiv als Moderator anbieten. Das verlangt mehr Mut als eine Podiumsdiskussion.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN