Gewagtes Programm mit Mozart und Benda Spannendes Sinfoniekonzert in der Osnabrückhalle

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Gutes Team: Geigerin Mirijam Contzen, Dirigent Andreas Hotz und das Osnabrücker Symphonieorchester. Foto: Andre HavergoGutes Team: Geigerin Mirijam Contzen, Dirigent Andreas Hotz und das Osnabrücker Symphonieorchester. Foto: Andre Havergo

Osnabrück. Mozart und einer seiner einflussreichen Zeitgenossen standen beim Sinfoniekonzert in Osnabrück auf dem Programm. Herausragend dabei: Das Osnabrücker Symphonieorchester, die Schauspieler Magdalena Helmig und Oliver Meskendahl sowie Geigerin Mirijam Contzen.

Das Melodram, also die Verbindung eines gesprochenen Textes mit Musik, ist ziemlich aus der Mode gekommen. (Die Frage, ob es jemals wirklich in Mode war, steht auf einem anderen Blatt.) Deshalb bedeutet es ein gewisses Wagnis, Jirí Antonín Bendas „Ariadne auf Naxos“ aufs Programm eines Sinfoniekonzerts zu setzen. Funktioniert die Mischung aus Text und kurzen Musikhäppchen, mit denen der Haydn-Zeitgenosse Benda den Dramentext akustisch illustriert? Ja - sofern man im Europasaal der Osnabrückhalle im Parkett sitzt. Auf der Empore kommt dem Vernehmen nach wenig vom Text an - obwohl Magdalena Helmig als Ariadne und Oliver Meskendahl als Theseus vorbildlich deklamieren. Weiterlesen: Das Preisträgerkonzert des Osnabrücker Musikpreises 2017

Worte statt Arien

Schade ist das, um nicht zu sagen ärgerlich. Denn die beiden Schauspieler und Andreas Hotz am Pult des Osnabrücker Symphonieorchesters halten die Geschichte im Fluss, reißen wirklich mit. Vier Takte spielt das Orchester, mal acht, mal zwölf; hier schält sich eine idyllische Oboenmelodie heraus, dort tobt ein Sturm. Manchmal erklingen lediglich ein paar Akkorde wie im Opernrezitativ, und wo das operngeschulte Empfinden eine herzergreifende Arie erwartet, folgt wieder gesprochener Text. Allerdings hat Benda den emotionalen Gehalt des Dramas kreativ und gekonnt in Töne übersetzt, und das Osnabrücker Symphonieorchester spielt mit schärfster Aufmerksamkeit, präzise und mit der unerlässlichen Flexibilität, die der Umschwung von emotionalen Liebes- und Schmerzensstürmen auf verträumte Idylle und umgekehrt erfordert. Meskendahl als Theseus erzählt dazu einfühlsam und mit perfekter Diktion vom Dilemma aus Liebe und Heldenpflichten. Und Helmig beschreibt genau so innig die Liebe zu Theseus und die Verzweiflung über die Trennung. Weiterlesen: „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss

Der junge Mozart

Seine kompositorische Klasse hat Benda Einfluss beschert; ein musikalischer Sonnenaufgang aus „Ariadne“ wird bei Mozart anderthalb Jahrzehnte später zum Auftritt der Königin der Nacht. Für dieses Konzert steht allerdings der frühe Mozart auf dem Programm: Mirijam Contzen spielt den Solopart in Mozarts fünftem Violinkonzert A-Dur. Das klein besetzte Orchester passt zum schlanken, silbrig feinen Ton der Solistin, verfügt aber über genug Reserven, um den Saal zu füllen und den wirbelnden Tanz im dritten Satz mit der nötigen Energie aufzuladen. Contzen spielt sich souverän und unaufdringlich ins Bewusstsein und harmonisiert dabei prächtig mit dem Schwung, den Hotz aus seinem Orchester holt. Mit dem langsamen Satz aus dem Violinkonzert F-Dur des „britischen Mozart“ Thomas Linley als Zugabe gibt sie schließlich einen weiteren Einblick in Mozarts musikalisches Umfeld. Begleiten lässt sie sich von Cembalistin Eline Brys, die so aus der Orchesterbegleiterin zur Solistin wird. Eine schöne Geste in einem Konzert, das Freude bereitet. Weiterlesen: Mirijam Contzen im Gespräch


Das Konzert wird am Montag, 26.2., um 20 Uhr in der Osnabrückhalle wiederholt. Kartentelefon: 0541/349024

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