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23.02.2018, 16:54 Uhr CHRIS DERCON AN DER VOLKSBÜHNE

Die Macht der sehr alten Sehgewohnheiten

Von Dr. Stefan Lüddemann


Weiter im Kreuzfeuer der Kritik: Chris Dercon, Intendant der Berliner Volksbühne. Foto: dpaWeiter im Kreuzfeuer der Kritik: Chris Dercon, Intendant der Berliner Volksbühne. Foto: dpa

Berlin. Chris Dercons Berliner Volksbühne provoziert. Das gilt vor allem für Theaterleute, die angeblich alte Sehgewohnheiten aufbrechen wollen. Dercons Theaterexperiment halten sie aber nicht aus. Wie entlarvend.

Erwartungshaltungen irritieren, Sehgewohnheiten aufbrechen: Theatermacher und Bühnenenthusiasten kokettieren gern mit ihrem Mut zu künstlerischer Neuerung. Die Berliner Volksbühne müsste deshalb ihr neues Sehnsuchtsziel sein. Denn dort geschieht gerade, was angeblich so schätzenswert sein soll. Chris Dercon macht einen richtigen Neuanfang. Etwas anderes blieb ihm nach der markanten Ära Frank Castorfs auch kaum übrig. Hier weiterlesen: Helmut Berger mit „Liberté“ an der Volksbühne.

Viele Reaktionen zeigen nun, wie tief Sehgewohnheiten verankert sein können – gerade bei denen, die Profil und Programm von Theatern bestimmen. Alles, was jetzt an der Volksbühne konventioneller Erwartung an ein Theater widerspricht, wird nicht kritisiert, sondern bekriegt. Entlarvend. Hier weiterlesen: Der Kurator als Intendant - Chris Dercon im Interview.

Sicher, Chris Dercons Intendanz ist ein Experiment. Der Mann sei nicht vom Fach, lautet der Vorwurf. Dabei ist Dercon vom einzigen Fach, das in den Künsten zählt. Sein Name: ästhetische Qualität. Die fordert immer heraus, weil sie auf Brüche und Innovationen setzt. Viele Kritiker Dercons haben Probleme, genau das auszuhalten. Dabei müsste es nun heißen: Weg mit alter Sehgewohnheit. Hier weiterlesen: Von Documenta bis Volksbühne - Kunst zwischen den Fronten.


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