Streit bei Art Karlsruhe Ist das Kunst oder muss das weg? Bananenbild mit Erdogan empört

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Bei der 15. Auflage der Kunstmesse art Karlsruhe wird das Werk „Türkischer Diktator“ von Thomas Baumgärtel aus dem Jahr 2017 gezeigt. Vom 22. bis 25. Februar werden in den Messehallen in Rheinstetten bei Karlsruhe den Veranstalterangaben zufolge 215 Galerien aus 15 Ländern erwartet. Foto: dpaBei der 15. Auflage der Kunstmesse art Karlsruhe wird das Werk „Türkischer Diktator“ von Thomas Baumgärtel aus dem Jahr 2017 gezeigt. Vom 22. bis 25. Februar werden in den Messehallen in Rheinstetten bei Karlsruhe den Veranstalterangaben zufolge 215 Galerien aus 15 Ländern erwartet. Foto: dpa

dpa/lod Karlsruhe. Alles Banane? Satire und Politiker vertragen sich nicht immer, schon gar nicht Satire und türkische Politiker. Jüngstes Beispiel: Ein Bild des Künstlers Baumgärtel, das Erdogan mit Banane im Gesäß zeigt. Es sorgte für Empörung auf einer Kunstmesse – und erste Konsequenzen.

Eine despektierliche Erdogan-Karikatur hat auf der Kunstmesse Art Karlsruhe für Wirbel gesorgt. Wie die Messe am Freitag bestätigte, hängte ein Galerist das Bild „Türkischer Diktator“ von Thomas Baumgärtel nach lautstarken Protesten an seinem Stand am Vortag ab. Der Künstler trennte sich daraufhin von seinem Karlsruher Galeristen, teilte Baumgärtel auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Das Bild zeigt den gebückten türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit nacktem Gesäß, in dem eine Banane steckt. Es ist Teil der „Despotenserie – Trump, Kim und Erdogan“.

Nach Angaben des Galeristen Michael Oess ist das Bild inzwischen für 5900 Euro verkauft. Mit der Aufregung um das Werk habe der Verkauf nichts zu tun gehabt. Der als „Bananensprayer“ bekannte Künstler hat schon mehrfach Ärger mit seinen politischen Bananen-Bildern bekommen.

Inszenierter Auflauf?

Oess sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein türkischer Journalist habe sich am Donnerstagnachmittag wegen des Bildes beschwert. Der Mann filmte demnach mit seinem Handy und berichtete per Livestream. Zwei Frauen hätten von „Schändung“ der türkischen Fahne gesprochen, die im Hintergrund des umstrittenen Werkes angedeutet ist. „Es gab einen Auflauf am Stand. Das war richtig inszeniert“, ist Oess überzeugt. Und: „Das waren Agenten.“ Zur Sicherheit habe er das Bild dann abgehängt. „Damit es keinen Ärger gibt - ich habe auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Besuchern.“

Die türkische Zeitung „Daily Sabah“ hatte am Donnerstag von dem „sogenannten „Kunstwerk„“ berichtet, das „für viele Türken eher als rassistisch-vulgärer Angriff auf den türkischen Präsidenten erscheint“.

Auf Kunstfreiheit berufen

Eine Sprecherin der Messe betonte: „Wir können keinem Galeristen vorschreiben, was er hängt. Es herrscht Freiheit der Kunst.“ Ein Besuch des türkischen Generalkonsuls am Freitag auf der Kunstmesse habe damit nichts zu tun gehabt. „Es war ein normaler Antrittsbesuch.“

Ärger gibt es immer mal wieder mit Baumgärtel-Werken: Im Oktober 2016 hatte das Erdogan-Bild mit Banane mit anderem Hintergrund im Kunstverein Langenfeld für Aufregung gesorgt. Eine Ausstellung damit wurde vorzeitig beendet. Vor einem Jahr hatte Twitter die Verbreitung eines Bildes mit US-Präsident Donald Trump in einer Werbekampagne bei dem Kurznachrichtendienst untersagt. Auf dem Bild wird Trump einem Affen ähnlich mit einer Banane im Mund dargestellt. Als Politikerkarikatur mit Banane hat Baumgärtel auch Nordkoreas Diktator Kim Jong-un inszeniert: reitend auf einer zur Banane stilisierten Atombombe.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN