„Transit“ und „In den Gängen“ Unkonventioneller Shooting Star: Franz Rogowski

Von Klaus Grimberg

Franz Rogowski Foto: AFPFranz Rogowski Foto: AFP

Berlin. Franz Rogowski ist eines der Gesichter des jungen deutschen Films. Auf der Berlinale spielt er die Hauptrolle in gleich zwei deutschen Wettbewerbsbeiträgen.

Vieles an ihm erinnert an den jungen Jürgen Vogel: sein unperfektes Äußeres, seine schlaksige Art, sich zu bewegen, die nuschelnde, lispelnde Stimme. Alles das macht Franz Rogowski per se zu einem Außenseiter des Filmgeschäfts. Einen wie ihn, der weder als Mädchenschwarm taugt noch als Großschauspieler ernsthafter Dramatik, finden Regisseure interessant. Vor allem dann, wenn es Outcasts zu besetzen gilt, die Verstoßenen und Verstörten der Gesellschaft. Denn Rogowski, so scheint es jedenfalls, braucht nicht zu spielen, durchs normierte Raster gefallen zu sein. Er ist es einfach. Und deshalb kann er mit einer Rolle an einem Punkt anfangen, den andere sich erst mühsam erarbeiten müssen.

Auf der diesjährigen Berlinale zählt Rogowski zur Riege der European Shooting Stars, jener hoffnungsvoller Jungschauspieler und -schauspielerinnen, die der versammelten internationalen Filmszene auf dem Silbertablett präsentiert werden. Eigentlich hätte Rogowski dieses Aufmerksamkeitstool kaum nötig, ist er doch in diesem Jahr gleich in zwei deutschen Wettbewerbsbeiträgen vertreten: Nach seinem Part in Christian Petzolds „Transit“ zum Auftakt der Berlinale ist er am heutigen Freitag auch in Thomas Stübers „In den Gängen“ zu sehen. Darin spielt er den Gabelstapler fahrenden Neuling in einem Großmarkt für Lebensmittel, der sich in schüchterner Liebe zu einer Kollegin verliert. Wieder so eine Figur, die Rogowski auf den Leib geschrieben scheint: Wortkarg, einsam, sensibel – ein Verlorener zwischen den Warenreihen, die er mit dem Stapler durchfährt.

Eine Ausnahme unter den jungen deutschen Filmschauspielern ist Rogowski auch deshalb, weil er keinen „klassischen“ Weg in den Beruf genommen hat. In Freiburg in einem bürgerlichen Elternhaus aufgewachsen, schmiss Rogowski die Schule und tauchte in die freie Theaterszene Berlins ab, wo er sich in diversen Off-Produktionen ausprobierte – als Schauspieler, Tänzer und Performance-Künstler. Eine klassische Theaterausbildung hat der mittlerweile 31-Jährige nie absolviert, dennoch wurde er seit 2013 auch an großen Häusern wie dem Thalia in Hamburg oder dem Maxim Gorki in Berlin engagiert. Seit der Saison 2015/16 ist Rogowski festes Ensemblemitglied an den ehrwürdigen Münchner Kammerspielen, ein bemerkenswerter Karriereschritt für einen Autodidakten.

Nun also Dauerstress auf der Berlinale, in diesen Tagen ist kein deutscher Schauspieler so sehr gefragt wie Rogowski. Zu den Filmfestspielen am Potsdamer Platz hat er im Übrigen ein gutes Verhältnis, katapultierte ihn doch 2015 Sebastian Schippers atemlose Gangsterjagd „Victoria“ zum ersten Mal in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit. Im letzten Jahr hat Rogowski in Jan Henrik Stahlbergs bitterböser Gender-Satire „Fikkefuchs“ für viel Diskussionsstoff gesorgt und sich dabei wenig darum geschert, ob diese sehr kontroverse Rolle ihm wohl bei seiner Karriere schaden mag oder nicht. Auch das zeichnet Rogowski innerhalb der deutschen Filmszene aus: Er ist einer, der sich den Konventionen von Erfolg und Misserfolg offenbar entzieht. Nicht vorsätzlich oder aufgesetzt, sondern, weil er schlicht und einfach das zu tun scheint, was ihm gerade am besten gefällt.