Ein Bild von Dr. Stefan Lüddemann
21.02.2018, 17:29 Uhr ERNTEDANKFESTE DER NAZIS

NS-Stätte Bückeberg: Probleme mit der Erinnerung

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Heute eine leere Wiese, früher ein Aufmarschplatz für Hunderttausende: Der Historiker Bernhard Gelderblom steht am Bückeberg bei Hameln, wo die Nazis von 1933 bis 1937 das „Reichserntedankfest“ feierten. In den Händen hält er ein historisches Foto aus seiner Sammlung, das das „Reichserntedankfest“ am selben Ort zeigt. Foto: dpaHeute eine leere Wiese, früher ein Aufmarschplatz für Hunderttausende: Der Historiker Bernhard Gelderblom steht am Bückeberg bei Hameln, wo die Nazis von 1933 bis 1937 das „Reichserntedankfest“ feierten. In den Händen hält er ein historisches Foto aus seiner Sammlung, das das „Reichserntedankfest“ am selben Ort zeigt. Foto: dpa

Osnabrück. Das Gedenken an die Verbrechen des Dritten Reiches - eine klare Sache? Der Streit um eine geplante Dokumentationsstätte am Bückeberg belegt das Gegenteil. Es geht um die Nazis - und Millionen, die mitmachten.

Ein Grasweg mit acht Informationstafeln zur nationalsozialistischen Vergangenheit eines Ortes – kein Problem? Doch, am Bückeberg ist genau dieses Projekt ein großes Problem. Der auf den ersten Blick provinziell anmutende Konflikt um angeblich zu teure Bauarbeiten zeigt, wie wenig selbstverständlich ein angemessener Umgang mit dem Nationalsozialismus heute noch sein kann. Lieber wegsehen als aufklären: Das scheint in diesem Fall die Devise zu sein. Hier weiterlesen: Prekäre Erinnerung? Gedenken braucht die Arbeit der Lebenden.

Das Projekt stößt wohl deshalb auf Widerstand, weil es daran erinnert, dass nicht nur ein einsamer Diktator das Dritte Reich am Leben hielt, sondern auch die vielen Menschen, die ihm willig folgten. Am Bückeberg jubelten die Massen Adolf Hitler zu. Nicht alle wollen das heute noch so genau wissen. Hier weiterlesen: Literatur gegen Antisemitismus - Autor Hans Joachim Schädlich im Interview.

Dabei kommt es genau darauf an. Diktaturen können nur funktionieren, wenn ihre Programme von vielen Menschen im Alltag umgesetzt werden. Die Vorstellung der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ enthielt ein Programm der Ausgrenzung, ja der latenten Bereitschaft zur Gewalt. Das alles wurde am Bückeberg eingeübt. Die Folgen sind bekannt. Genau deshalb gehört an diesen Ort eine Stätte der Erinnerung. Hier weiterlesen: „Triumph des Todes“ - der Triumph Felix Nussbaums.