„Reichserntedankfest“ Streit um Lernort zur NS-Zeit in Bückeberg

Von dpa

Die Luftaufnahme zeigt den Bückeberg bei Hameln, wo die Nazis von 1933 bis 1937 das „Reichserntedankfest“ feierten. In der Mitte ist noch der ehemalige „Führerweg“ zu erkennen. Foto: Ole Spata/dpaDie Luftaufnahme zeigt den Bückeberg bei Hameln, wo die Nazis von 1933 bis 1937 das „Reichserntedankfest“ feierten. In der Mitte ist noch der ehemalige „Führerweg“ zu erkennen. Foto: Ole Spata/dpa

Emmerthal. Von 1933 bis 1937 veranstalteten die Nationalsozialisten bei Hameln das „Reichserntedankfest“. Auf dem von Hitler-Architekt Albert Speer gestalteten Hang ist eine Dokumentation geplant. Doch in der Nachbarschaft machen Bürger gegen die Pläne mobil.

Beim „Reichserntedankfest“ am Bückeberg jubelten Hunderttausende Adolf Hitler zu, jetzt soll die Anhöhe bei Hameln ein Dokumentations- und Lernort werden. „Das Gelände soll lesbar gemacht werden“, sagte der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom. Doch bei den Menschen vor Ort gibt es starke Vorbehalte gegen die Pläne, auf dem Berg Informationstafeln aufzustellen. Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet.

Hitlers Architekt Albert Speer hatte den etwa 800 mal 250 Meter großen Platz mit idyllischem Blick auf die Weser nach einer Idee von Propagandaminister Joseph Goebbels als eine Art Naturbühne gestaltet. Der wie ein Laufsteg erhobene „Führerweg“, auf dem der Diktator das Bad in der Menge nahm, ist noch heute zu sehen. Seit Ende 2010 steht das Gelände in der Gemeinde Emmerthal unter Denkmalschutz. Alte Aufnahmen zeigen, wie kreischende Frauen in Tracht den Arm zum Hitlergruß reckten und den „Führer“ wie einen Popstar begrüßten.

Bei den Kundgebungen sollte nach der NS-Ideologie die „Volksgemeinschaft“ erlebbar werden. „Das kirchliche Erntedankfest wurde von den Nazis besetzt und ausgehöhlt“, sagte Gelderblom. Am Bückeberg könnten die Selbstinszenierung und das Verführungspotenzial des NS-Regimes sichtbar gemacht werden, sagte der Initiator des Vorhabens. Der Hamelner Kreistag entscheidet am 13. März über die Gründung und finanzielle Ausstattung des Dokumentations- und Lernortes Bückeberg. Von den Fraktionen CDU und AfD gibt es Gegenanträge.