Pittoreske Provinzposse Ohne Nebenwirkungen: „Docteur Knock“

Von Tobias Sunderdiek

Gesunde Patienten bringen kein Geld: Also redet Docteur Knock(Omar Sy) der Landbevölkerung das ein oder andere Weh-Wehchen ein. Foto: Wild BunchGesunde Patienten bringen kein Geld: Also redet Docteur Knock(Omar Sy) der Landbevölkerung das ein oder andere Weh-Wehchen ein. Foto: Wild Bunch

Osnabrück. Seit „Ziemlich beste Freunde“ nicht nur in Frankreich ein Star, spielt Omar Sy in „Docteur Knock“ einen geschäftstüchtigen Arzt in einem südfranzösischen Dorf. In der x-ten Verfilmung es Bühenklassikers von Jules Romains siegt aber leider das Pittoreske über der Satire.

Knock ist ein echter Filou. Als Kleinganove schlägt er sich im Marseille der 50er Jahre durch das Leben, muss aber eines Tages dringend aus der Stadt verschwinden. Brutale Gangster wollen seine Spielschulden eintreiben, wenn es sein muss mit Gewalt.

Da kommt Knock ein Angebot eines Schiffskapitäns gerade recht. Knock heuert als Schiffsarzt an, ohne jedoch jemals eine medizinische Fakultät von innen gesehen zu haben. Trotzdem: Die Arbeit als „Doktor“ macht ihm Spaß. So sehr, dass er wieder an Land ein Studium abschließt und eine Approbation erhält.

Seine erste Anstellung lässt nicht lange auf sich warten: Er wird Landarzt in dem südfranzösischen Dörfchen St. Maurice, wo es offenbar keine gravierende gesundheitliche Probleme gibt. Doch Knock ist und bleibt ein Filou: Er redet den Menschen Wehwehchen ein, um diese dann lukrativ zu „kurieren“. Mit dem Apotheker geht er eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung ein. Ja, er errichtet sogar eine Klinik. Die Geschäfte laufen also gut. Nur der eifersüchtige Dorfpfarrer hat da seine Zweifel an der Ehrbarkeit des Doktors. Als sich Knock in Adèle verliebt, stößt Knock jedoch an seine eigene Grenzen. Die Landarbeiterin ist ernsthaft an Tuberkulose erkrankt. Und dann taucht auch noch ein Ganove aus Knocks krimineller Vergangenheit in St. Maurice auf.

Kein Zweifel: Als Film ist „Docteur Knock“ deutlich aus der Zeit gefallen. Das Remake des Films „Dr. Knock lässt bitten“ (1951) sowie von über einem Dutzend TV-Verfilmungen und einer Serie, basiert auf einem in Frankreich populären Bühnenstück von Jules Romains aus dem Jahr 1923.

Probleme, dass Knock in dieser Filmversion nun ein Schwarzer (gespielt von Omar Sy) ist? Sie sind erstaunlicherweise nicht existent, und das augerechnet nicht in einem miefigen Provinzdorf der 50er Jahre. Passend dazu werden leider auch sonst mögliche Konflikte in dieser possierlichen Posse einfach weggelächelt. Denn anstatt eine Satire auf die Geschäftemacherei bei Ärzten zu zeigen, ersetzen laue Gags über die leichten Schwächen der Dorfbewohner psychologische Feinheiten: Die meist kleinbürgerlichen Bewohner der Gemeinde bleiben Abziehbildchen. Wie etwa der Postbote der Gemeinde, der die Briefe, die er ausliefert, vorher liest. Schließlich sei er ja für das Überbringen von Nachrichten verantwortlich. Und die sollten, natürlich, nicht schlecht sein. Ein passendes Bild für die Machart des Films. Und dass das bürgerliche Leben von Dr. Knock durch einen Gangster einmal existenziell bedroht werden könnte, nun, das wird durch Verabreichung eines Abführmittels gelöst.

Drama? Doppelbödigkeit? All das findet im sonnendurchfluteten, äußerst pittoresken Handlungsort St. Maurice nicht statt. Dafür beschwört Regisseurin Lorraine Lévy in „Docteur Knock“ ein allzu idyllisches Bild herauf. Dass das Bühnenstück ursprünglich als Allegorie geschrieben wurde, um die Verführbarkeit einfacher Menschen durch faschistische Scharlatane zu karikieren, kommt nicht vor. Dabei wäre dieser Ansatz in Zeiten überall aufkeimenden Rechtspopulismus ein lohnender Ansatz gewesen. Ein altmodischer Film– aber nicht im positiven Sinn des Wortes.