Wandelbarer Schauspieler Berlinale ehrt Willem Dafoe für Lebenswerk

Von Klaus Grimberg

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Mehr Bandbreite geht nicht: Willem Dafoe hat von Jesus Christus bis zum Vampir so gut wie alles gespielt. Foto: dpaMehr Bandbreite geht nicht: Willem Dafoe hat von Jesus Christus bis zum Vampir so gut wie alles gespielt. Foto: dpa

Berlin. Goldener Ehrenbär für einen der wandlungsfähigsten Schauspieler Hollywoods: Die Berlinale ehrt Willem Dafoe für sein Lebenswerk.

Es hätte auch alles ganz anders kommen können: Sein Filmdebüt feierte Willem Dafoe 1980 ausgerechnet in dem legendären Western-Flop „Heaven’s Gate“ von Michael Cimino, einem der kommerziell verlustreichsten Filme der Kinogeschichte. Dafoes Karriere aber wurde durch die desaströse Produktion nicht in einen Abwärtsstrudel gerissen – im Gegenteil: Über Jahrzehnte hat sich der 62-Jährige den Ruf als einer der wandlungsfähigsten Schauspieler des internationalen Filmgeschäfts erarbeitet. Dafür ist er gestern mit dem Goldenen Ehrenbären der Internationalen Filmfestspiele Berlin ausgezeichnet worden, die sein Filmschaffen zudem mit einer eigenen Hommage würdigen.

In mehr als hundert Produktionen hat Dafoe mittlerweile mitgewirkt und es ist unmöglich, ihn auf ein Genre, auf einem bestimmten Charakter oder einen bevorzugten Figurentypus festzulegen. Dafoe war Bösewicht und Held, Charmeur und Ekelpaket, Sonderling und Normalo. Oder um es mal mit zwei seiner wichtigsten Rollen auszudrücken: Von Jesus Christus bis zum heimlichen Vampir hat er so gut wie alles gespielt – mehr Bandbreite geht nicht.

Mit den beiden 1988 gestarteten Filmen „Die letzte Versuchung Christi“ von Martin Scorsese und „Mississippi Burning“ von Alan Parker katapultierte sich Dafoe auf ein erstes Karrierehoch. Ein zweifelnder Jesus auf der einen Seite, ein unerschrockener Polizeiermittler im rassistischen Süden der USA zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung auf der anderen Seite: Dafoe hätte nicht eindringlicher dokumentieren können, dass er das darstellerische Wagnis sucht. Seine Rollenauswahl gleicht einer schauspielerischen Tour de Force, bei der sich Dafoe nie auf bis dahin Erreichtem ausruht.

Einen seiner vielschichtigsten Parts verkörperte er 2001 in „Shadow of the Vampire“, der schillernden Verneigung vor dem Stummfilmklassiker „Nosferatu“ von Friedrich Wilhelm Murnau, in der Dafoe den Schauspieler Max Schreck verkörpert, der in Wahrheit ein Vampir ist. Der hintergründige Blutsauger brachte Dafoe seine zweite Nominierung für einen Oscar ein, nachdem er schon 1986 für sein Wirken in Oliver Stones Vietnam-Drama „Platoon“ nominiert worden war. Bei den bevorstehenden „Academy Awards“ greift Dafoe nun zum dritten Mal nach der begehrten Trophäe, die ihm viele im Filmgeschäft endlich gönnen würden. In „The Florida Project“ spielt er einen einfühlsamen Motel-Manager in der Nähe von Disney World, der sich streng-liebevoll um die gestrandeten Schicksale in seiner Anlage kümmert. Im März wird dieser Film auch in deutschen Kinos zu sehen sein.

Ob es diesmal klappt mit dem Oscar? Wer weiß. Willem Dafoe aber ist einer jener Schauspieler, deren Lebensleistung sich nicht in dieser einen Auszeichnung bemisst. Der Goldene Ehrenbär der Berlinale jedenfalls schien Dafoe bei der gestrigen Preisverleihung auch nicht kalt zu lassen. Denn in ihm drückt sich die Wertschätzung des internationalen Publikums für einen Schauspieler aus, der sich selbst immer neu entdeckt und weitere Facetten seiner Kunst offenbart hat.


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