Packende Geschichtsstunde Politisches Hollywood-Kino: Spielbergs „Die Verlegerin“

Von Tobias Sunderdiek

Allein unter Männern: Meryl Streep als Verlegerin Katharine Graham. Foto: Universal Pictures GermanyAllein unter Männern: Meryl Streep als Verlegerin Katharine Graham. Foto: Universal Pictures Germany

Osnabrück. Meryl Streep errang als „Die Verlegerin“ ihre 21. Oscarnominierung. Zusammen mit Tom Hanks verteidigt sie in Steven Spielbergs Film die Pressefreiheit.

Der Blutzoll war hoch. Und unnötig. Denn schon seit den 1950er Jahren war klar, dass der US-Militäreinsatz in Vietnam nicht zu gewinnen war. Dennoch hielten gleich mehrere US-Präsidenten am aussichtslosen Krieg fest. Mehr noch: Sie logen ihr eigenes Volk an.

Als 1971 „The Washington Post“ erstmals die als „Top Secret“ klassifizierten „Vietnam Papers“ veröffentlichte, die genau das bewiesen, schoss das Weiße Haus aus allen Rohren. Präsident Richard Nixon ging gerichtlich gegen die Zeitung vor, wollte diese vernichten.

 Dass mit solchen Reaktionen zu rechnen war, das wussten im Vorfeld auch die Verlegerin Katharine Graham (grandios: Meryl Streep) und ihr Chefreporter Ben Bradlee (überzeugend: Tom Hanks). Doch trotz des finanziellen Drucks durch einen geplanten Börsengang und juristischer Bedenken wollen sie die Wahrheit ans Licht bringen.

 Aber auch privat müssen Kämpfe ausgefochten werden: Zum einen würde Katharine Graham ihren Freund, den Ex-Verteidigungsminister Robert McNamara, in Bedrängnis bringen, zum anderen möchte sie endlich aus dem Schatten ihres verstorbenen Mannes heraustreten, der ihr den Verlag vererbt hat. In einer hektischen Nacht müssen sich alle entscheiden.

Kein Zweifel: Dies ist wohl der richtige Film zur richtigen Zeit. Denn während Whistleblower wie Edward Snowden um ihre Freiheit kämpfen müssen, weil sie illegale Praktiken der US-Regierung aufdeckten, spricht der aktuell amtierende Präsident Trump gerne von „alternativen Fakten“ oder „Fake News“, um andere Meinungen als die seine zu diskreditieren. Reporter beleidigt er gerne schon mal als „evil“ (böse).

„The Post“, wie der Film im Original heißt, schildert, wie sich 1971 dann doch die Pressefreiheit durchsetzte. Denn, so der „Supreme Court“ in seinem Urteil zum Fall, Reporter hätten den „Regierten, nicht den Regierenden“ zu dienen. Eine Botschaft die auch heute gilt – mehr denn je.

Regisseur Steven Spielberg inszeniert seine Demokratie-Geschichtsstunde ganz im Stile eines klassischen Hollywood-Dramas. Er kann sich dabei nicht nur auf seine Stars Streep und Hanks verlassen, sondern weiß auch geschickt immer wieder dramaturgische Zuspitzungen zu inszenieren. Dabei benutzt er stets die visuelle Kraft des Bildes, etwa in der liebevollen Inszenierung von analogen Drucksetzermaschinen, oder der hektischen Redaktionsräume. Wunderbar auch die Einstellung als ein Reporter tippt, während ein Stockwerk tiefer die Rotationsmaschinen anlaufen. Ihr Getöse lässt seinen Schreibtisch erzittern. Es ist zugleich ein schönes Bild dafür, dass sich bestimmte Dinge nicht mehr aufhalten lassen.

Was übrigens auch der Epilog des Films zeigt, der, nachdem Nixon die „Washington Post“ aus dem Weißen Haus verbannte, auf die Watergate-Affäre verweist, die ja ebenfalls von der Zeitung aufgedeckt wurde und letztlich zum Rücktritt Nixons führte. Die Botschaft ist klar: Geschichte wird gemacht. Nicht nur von Politikern, sondern auch von mutigen Reportern.