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Mehr als die Witwe von John Lennon 85. Geburtstag: Endlich Frieden für Yoko Ono!

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Osnabrück. Keiner mag Yoko Ono. Das gilt zumindest für die Fans der Beatles. Dabei ist Yoko Ono mehr als die Witwe von John Lennon. Als Fluxuskünstlerin gehört sie zum Kanon der Kunst. Jetzt wird sie 85 Jahre alt.

„War is over!“ steht auf dem Plakat, das Yoko Ono noch gemeinsam mit John Lennon konzipiert hatte. Für Ono selbst gilt dieser Hoffnungsslogan nicht. Als „Schwarze Witwe“ wird sie bis heute verhöhnt, als Spalterin der Beatles von den Fans der Popgruppe angegiftet. Dabei ist Yoko Ono, die am 18. Februar 2018 85 Jahre alt wird, viel mehr als nur die Witwe des 1980 in New York von dem Attentäter Mark Chapman ermordeten John Lennon. Schon Jahre vor der ersten Begegnung mit dem Beatles-Musiker 1966 etabliert sich Ono als Künstlerin. Hier weiterlesen: Was das Epochenjahr bewegt hat - 1968 im Rückblick.

Alle Kleider vom Leib

Die Tochter eines reichen Bankiers besucht beste Universitäten, studierte Musik, bricht aber auch früh aus den Konventionen der japanischen Upperclass aus. Yoko Ono geht nach New York und avanciert schnell zu einer Wortführerin der aufmüpfigen Fluxus-Kunst. Fluxus lebt von spontanen Einfällen, von Happenings, Aktionen, einem Mix der Künste. Yoko Ono inszeniert ihr „Wall Piece for Orchestra“, lässt sich in ihrer berühmten, 1964 erstmals aufgeführten Performance „Cut Piece“ von Zuschauern die Kleider vom Leib schneiden. Hier weiterlesen: Der Rebell aus der Subkultur - Frankfurt zeigt den Maler Jean-Michel Basquiat.

Fliege auf der Haut

In ihrem Film „Fly“ von 1970 krabbelt zu schrillen Klängen eine Fliege über die Haut einer nackten jungen Frau. Yoko Ono will, dass Menschen sich als sensible Wesen neu entdecken. Schon 1955 verblüfft sie das Ausstellungspublikum mit kurzen Handlungsanweisungen wie dieser: „Entzünde ein Streichholz und betrachte es, bis es ausgeht.“ Blanker Nonsense oder raffinierter Tiefsinn? Yoko Ono nennt es „Lighting Piece“ und lebt so vor, was Joseph Beuys später in einen berühmten Satz fassen wird: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Yoko Ono will diesen Menschen aktivieren, ihn über Grenzen führen. Hier weiterlesen: Von Sit-in bis Bed-In - die turbulente Vorgeschichte der 68er.

„Bed-in“ im Luxushotel

Das gilt auch für John Lennon. 1969 heiraten Lennon und Ono, etablieren sich als Glamourpaar und überfordern die Fans eingängiger Popmusik mit experimentellen Projekten. Das „Bed-in“, mit dem sie 1969 in einem Amsterdamer Luxushotel für de Weltfrieden demonstrieren, avanciert umgehend zur massentauglichen Ikone der Friedensbewegung. Aber an den avantgardistischen Klangteppichen Onos scheiden sich die Geister eingefleischter Beatlesfans ebenso wie an den schrillen Gesangssoli der Japanerin. Onophobie: Die Abneigung gegen Ono hat schnell einen bösen Namen. Hier weiterschauen: 50 Jahre 1968 - das Protestjahr in Bildern.

Klage gegen die Bar

Hat sie nun oder hat sie nicht? Die Frage, ob es Yoko Ono war, die die Beatles auseinanderbrachte, ist längst beantwortet. Paul McCartney, neben Lennon der zweite kreative Kopf der Band, hat klargemacht, dass die Gruppe selbst 1970 an ein Ende gekommen war. Yoko Ono ficht das nicht an. Die schmale Person mit dem eisernen Willen kämpft gegen Fracking und für den Frieden. Und notfalls gegen eine kleine Hamburger Bar, die ihren Namen „Yoko Mono“ nach Klage der Künstlerin ändern muss. Kleinlich? Ja. Dennoch möge für sie nun endlich ein Ausstellungstitel von 2002 gelten: „YES Yoko Ono“.


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