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13.02.2018, 16:37 Uhr NACHLASS GEHT NACH BERLIN

Riefenstahls Rolle: Herrenmensch in voller Aktion

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Regisseurin der Bilder vom Dritten Reich: Leni Riefenstahl und Walter Frentz bei den Dreharbeiten zum Film „Olympia“. Foto: dpaRegisseurin der Bilder vom Dritten Reich: Leni Riefenstahl und Walter Frentz bei den Dreharbeiten zum Film „Olympia“. Foto: dpa

Osnabrück. Der Nachlass von Leni Riefenstahl geht nach Berlin. Er bietet Stoff für das Nachdenken über Politik als Medienereignis und eine Reflexion der als unschuldig geltenden Künste.

Von „den bösen Nazi-Sachen“ wollte sie nach 1945 nichts mehr wissen. Dabei hatte Leni Riefenstahl im Dritten Reich nicht einfach nur mitgemacht, die Regisseurin prägte mit ihren Filmen von Reichsparteitagen in Nürnberg und den Olympischen Spielen von Berlin jene Bilder, mit denen das Dritte Reich massenwirksam werden sollte. Riefenstahl zeigte den Herrenmenschen in voller Aktion. Sie machte die Diktatur zum Filmkunstwerk, modelte den Führerkult zur großen Show. Hier weiterlesen: Kino im Dritten Reich - Hitlers Hollywood.

Darin liegt mehr als ein bloßes Beiwerk. Riefenstahls Filmwerk steht beispielhaft für Politik als Medienereignis. Deshalb geht es bei der Aufarbeitung ihres Nachlasses auch um viel mehr als um den Umgang mit einer, zurückhaltend gesagt, kontrovers zu beurteilenden historischen Figur. Zeitgeschichte selbst steht zur Diskussion. Hier weiterlesen: Kleist-Jahr gestartet - das heftigste Genie der Deutschen.

Die Forscher werden sich aber auch mit der Frage befassen dürfen, wie unschuldig die angeblich zweckfreien Künste wirklich sind. Bei dem Werk Riefenstahls geht es um eine Wirkungsästhetik von durchschlagender Prägekraft. Der Nachlass der Filmemacherin birgt viel Material zum Funktionswandel der Künste in der Moderne als Mediengesellschaft. Deshalb ist es vollkommen richtig, diesem Bestand eine hohe Aufmerksamkeit zu widmen.