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12.02.2018, 17:33 Uhr DER RICHTIGE MANN FÜR DAS KINO

Guillermo del Toro leitet Festivaljury in Venedig

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Erst Preisträger, jetzt Jurypräsident: Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro küsst 2017 in Venedig (Italien) anlässlich des 74. Filmfestivals in Venedig den goldenen Löwen, den Preis für den besten Film: „The Shape of Water“. Foto: dpaErst Preisträger, jetzt Jurypräsident: Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro küsst 2017 in Venedig (Italien) anlässlich des 74. Filmfestivals in Venedig den goldenen Löwen, den Preis für den besten Film: „The Shape of Water“. Foto: dpa

Osnabrück. Guillermo del Toro wird neuer Präsident der Jury der Filmfestspiele von Venedig. Ein gute Wahl: Del Toto steht für ein Kino der Vielfalt und Toleranz. Genau diese Botschaft kann die von der #MeToo-Debatte gebeutelte Branche gebrauchen.

In jeder Personalie steckt ein Programm. Diese Weisheit gilt vor allem für jene Person, die einer großen Jury, etwa der des Filmfestivals von Venedig, vorstehen wird. Guillermo del Toro entspricht diesem Grundsatz voll und ganz. Der Regisseur steht für das Kino. Klingt banal, enthält aber jede Menge Wahrheit. Denn del Toro hat gerade mit dem Fantasystreifen „Shape of Water“ einen großen Erfolg gelandet, der prompt mit dem Goldenen Löwen in Venedig belohnt wurde. Hier weiterlesen: #MeToo auf der Opernbühne - Carmen ist kein Opfer mehr.

Vom Preisträger zum Jurypräsidenten in nur einem Jahr: Das Filmfestival speist den Champion gleich wieder in das eigene System ein. Mit Guillermo del Toro steht ein Mann an der Spitze der Jury, der an die Verführungskraft der großen Bilder glaubt. Del Toro lebt das Kino. Deshalb wird er dem Festival auch in seiner neuen Rolle helfen. Hier weiterlesen: Der Fall Dieter Wedel - eine Tragödie für alle Beteiligten.

Zudem wirkt seine märchenhafte Filmgeschichte um die taube Putzfrau und das Fabelwesen aus dem Wasser wie ein einziges Votum gegen die Missbrauchsskandale, die die Welt des Kinos seit den Enthüllungen um Filmproduzent Harvey Weinstein erschüttern. „Shape of Water“ erzählt von echter Liebe, von Respekt und Zartgefühl für individuelle Eigenheiten. Welche Vision wäre ein größerer Kontrast gegen Missbrauch als genau diese? Hier weiterlesen: Druck und Schikane - der Preis für Spitzenleistung in der Kunst?