Mehr Dance und Pop, weniger Rock Franz Ferdinand veröffentlichen neues Album

Von Tom Bullmann

Musik zum Tanzen spielt Franz Ferdinand auf dem neuen Album. Foto: David EdwardsMusik zum Tanzen spielt Franz Ferdinand auf dem neuen Album. Foto: David Edwards

Osnabrück. Nach dem Ausstieg von Gitarrist Nicholas McCarthy erfinden sich Franz Ferdinand neu. Mit zwei neuen Mitgliedern nahmen die Briten ihr fünftes Studioalbum auf: „Always Ascending“

Jetzt geht es wieder bergauf für Franz Ferdinand. Der britischen Band, die 2004 auf der Britpop-Welle zum Rock´n´Roll-Olymp surfte, drohte das Aus, als Gitarrist Nicholas McCarthy vor einem Jahr seinen Abschied nahm. McCarthy war es, der den Sound der Band maßgeblich mitgestaltete. Er war es, der für einen Hauch deutscher Klänge bei Franz Ferdinand sorgte, weil er in Deutschland Schule und Universität besuchte und eine Zeit lang gar bei dem Krautrock-Kollektiv Embryo mitmischte. Weil er sich um seine Familie kümmern wollte, sagte er der Band adieu.

Aber Sänger Alex Kapranos wollte die Band partout nicht beerdigen. Also ging er mit Schlagzeuger Paul Thomson und Bassmann Robert Hardy auf die Suche nach neuen Mitstreitern. Im Gitarristen Dino Bardot und dem Keyboarder Julian Corrie fand er adäquaten Ersatz für McCarthy – wie das Album beweist, das Franz Ferdinand in neuer Besetzung eingespielt haben.

„Always Ascending“ heißt das Album, auf dem zehn Songs davon künden, dass bei den Schotten alles beim Alten und dennoch alles anders ist. Vertraut ist Kapranos charakteristische Stimme und Thomsons discoider Viervierteltakt. Neu sind die Einflüsse Corries, der mit seinen Keyboards das FF-Soundspektrum mit einer gewissen Leichtigkeit impft. Bisweilen ist man tatsächlich an New Wave-Zeiten erinnert. Zum Beispiel im Song „Lois Lane“, in dem es um die Entscheidungen geht, die uns im Leben dazu bringen, glücklich zu sein.

Einen Hang zu repetitiv-trancigen Klangstrukturen lassen sich auf Kapranos Faszination für den kretischen Komponisten Yiannis Markopoulos zurückführen. „Ich erlebte meine erste übersinnliche Erfahrung, als ich seine Musik hörte, noch bevor ich überhaupt laufen konnte“, betont Kapranos. Offenbar schlummerten diese Einflüsse in seinem Bewusstsein, bis er sie jetzt auffrischte. Sie inspirierten ihn zum Albumtitel: „Wir suchen etwas, das es uns erlaubt, uns emporzuheben“, sagt er. Wie im Titelsong „Always Ascending“, der das Album sphärisch eröffnet. Kapranos singt mit Schmelz in der Stimme, schraubt sie in die Höhe, das Keyboard folgt dem Aufwärtstrend bis zu einem Höhepunkt, der vom einsetzenden Beat aufgenommen wird. Da ist weniger Rock als früher drin, mehr Dance und Pop. Aber es war schon immer das Ziel der Band aus Glasgow, die urtümliche Kraft des Rock´n´Roll zu zivilisieren. Und Mädchen bei Konzerten wollten sie zum Tanzen bringen. Das könnte Franz Ferdinand auch mit den neuen Songs gut gelingen. Vielleicht sind die Mädchen in der Zwischenzeit ein bisschen älter geworden.


Franz Ferdinand - „Always Ascending“ (Domino Records)