Kinski-Regisseur Werner Herzog sieht #MeToo-Debatte als Meilenstein der Emanzipation

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Werner Herzog. Foto: dpaWerner Herzog. Foto: dpa

dpa/AFP Hamburg. Für Regisseur Werner Herzog (75) bringt die #MeToo-Debatte eine überfällige Zäsur.

„Was wir hier erleben, geht weit über Hollywood und das Filmgeschäft hinaus“, sagte der Regisseur dem Magazin „Stern“. „Männer wissen jetzt, dass sie nicht nur aus einem Film entfernt werden, sondern ihre ganze Lebenskarriere riskieren“, sagte Herzog. „Endlich kommt die Zäsur, die die feministische Bewegung schon seit den 60er-Jahren zu Recht fordert.“

Vorwürfe von Frauen gegen US-Produzent Harvey Weinstein hatten die weltweite #MeToo-Debatte über sexuellen Missbrauch ausgelöst. In Deutschland machte zuletzt der Fall des Regisseurs Dieter Wedel Schlagzeilen, dem mehrere Frauen sexuelle Belästigung oder sogar Vergewaltigung vorwerfen.

Herzog wurde vor allem durch seine Filme mit dem Schauspieler Klaus Kinski bekannt. Zusammen drehten sie etwa „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“. 2013 bezichtigte Kinskis Tochter Pola ihren verstorbenen Vater des langjährigen schweren sexuellen Missbrauchs. Die Schilderung von Pola Kinski wurde allgemein als glaubwürdig empfunden und auch durch Vorwürfe anderer Frauen untermauert.

Herzog räumte gleichzeitig ein, schon seit mehr als zehn Jahren von Kinskis Verfehlungen zumindest etwas geahnt zu haben. Schon 2007, 20 Jahre nach dem Film „Cobra Verde“, hätten sich immer wieder Frauen bei ihm gemeldet, die unter Kinski gelitten hätten, sagte Herzog. Kinski sei zwar nie von einem Gericht schuldig gesprochen worden. Die Vorwürfe gingen aber in eine unzweifelhafte Richtung und lägen heute wie ein Schatten auf Kinski. „Aber ich stehe zu dem, was wir miteinander gemacht haben“, betonte Herzog.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN