Kosslick lässt Bill Murray bellen Hunde, Künstler, Glamour und #MeToo: Was bringt die 68. Berlinale?

Von Daniel Benedict

Einen hat er noch: Berlinale-Chef Dieter Kosslick stellt das Programm des Festivals vor. Foto: Britta Pedersen/dpaEinen hat er noch: Berlinale-Chef Dieter Kosslick stellt das Programm des Festivals vor. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Am 15. Februar beginnt die 68. Berlinale. Über die Schwerpunkte hat Direktor Dieter Kosslick auf der Programm-Pressekonferenz jetzt das Allernötigste gesagt.

In Wes Andersons „Isle of Dogs“, mit dem die Berlinale kommende Woche eröffnet wird, treten keine Schauspieler auf – sondern animierte Hunde. Trotzdem bleibt der rote Teppich nicht leer. Das Gebell stammt von Stars wie Bill Murray, Bryan Cranston und Jeff Goldblum – und sie alle kommen. Isabelle Huppert und Rosamunde Pike haben für die folgenden Tage auch schon zugesagt. Willem Dafoe holt sich den Goldenen Ehrenbären dieses Festival-Jahrgangs ab, und wird mit einer zehnteiligen Hommage-Reihe geehrt. Pop-Star Ed Sheeran stellt die Doku vor, die sein Cousin über ihn gedreht hat. Stars kann Dieter Kosslick neun Tage davor also schon reichlich bieten.

Und worum geht’s? Die Idee eines roten Fadens weist Kosslick – der Herr über 385 Filme in 13 Sektionen – belustigt zurück. Als Schwerpunkte nennt er Arbeiten über Zivilcourage und Flucht – zwei prominente deutsche Produktionen stehen für die beiden Aspekte: Im Wettbewerb verlegt Christian Petzold Anna Seghers’ Exil-Geschichte „Transit“ in die Gegenwart. Als Special schildert Lars Kraumes „Das schweigende Klassenzimmer“ die Opposition von DDR-Schülern gegen den Staat. Mit Werken wie Emily Atefs Romy-Schneider-Porträt „3 Tage in Quiberon“ nehmen auch Künstlerfilme eine wichtige Stellung ein. Auch das ist auf der Berlinale Standard. Mit der #MeToo-Debatte dürften Fragen zu kreativen Arbeitsprozessen diesmal allerdings eine vollkommen andere Aufmerksamkeit genießen.

Natürlich prägt der Weinstein-Skandal das Festival auch sonst: Kosslick kündigt eine Gesprächsrunde und eine neue Beschwerdestelle an; bei einem Workshop für Filmemacher und Finanziers wird die Produzentin Daniela Elstner das Manifest „Speak Up!“ vorstellen. Berlinale-Kurator Thomas Hailer sieht die Debatte auch als Bestätigung des jahrelangen Engagements für Vielfalt und Selbstbestimmung. Die Frage nach der „Nobody’s Doll“-Kampagne, mit der die Schauspielerin Anna Brüggemann gerade das patriarchale Frauenbild des roten Teppichs angeht, kommentiert Kosslick mit gelassener Zustimmung: „Es gab nie einen Dresscode. Ich werde keine Frau abweisen, die auf flachen Schuhen kommt, und auch keine Männer in High Heels.“ Im Interview mit unserer Zeitung ergänzt er eine schwerer wiegende Entscheidung: #MeToo hat das Festival demnach auch direkt bei der Auswahl der Filme beeinflusst: „Wir haben in diesem Jahr Arbeiten von Leuten nicht im Programm, weil sie für ein Fehlverhalten zwar nicht verurteilt worden sind, es aber zumindest zugegeben haben.“

19 Filme stellen sich im Berlinale-Wettbewerb der Konkurrenz, vier davon sind deutsche Produktionen, genauso viele stammen von Regisseurinnen. Insgesamt liegt der Anteil der Regisseurinnen im Berlinale-Programm bei 37,5 Prozent – und damit knapp über dem der 7991 eingereichten Filmen, die zu 32,9 Prozent von Frauen gedreht wurden. Zu den bekanntesten Filmemachern im Wettbewerb gehören Gus van Sant, José Padilha und Steven Soderbergh. Unter Jury-Präsident Tom Tykwer vergeben die Hauptpreise des Festivals die Schauspielerin Cécile de France, der Archivleiter Chema Prado, Stephanie Zacharek, die Chef-Kritikerin des „Time“-Magazins, der Komponist Ryuichi Sakamoto sowie „Moonlight“ -Produzentin Adele Romanski.

Für Dieter Kosslick, dessen Vertrag 2019 ausläuft, ist die 68. Berlinale die vorletzte. Wird sie in zwei Jahren noch dieselbe sein? Wird das vertraute Personal bleiben? „Ich finde die Frage super“, antwortet Kosslick dem Kollegen. „Wenn Sie sie mir nächstes Jahr stellen, ist sie noch besser. Eine Top-Frage wäre es in zwei Jahren. Dann aber nicht mehr an mich.“