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02.02.2018, 15:11 Uhr IDEE EINES DREHBUCHAUTORS

Kommentar zum Erzählkiosk: Echter Freiraum

Kommentar von Christine Adam

Hat Lust aufs Zuhören: Der Geschichtensammler Christoph Busch steht im U-Bahnhof „Emilienstraße“ vor seinem Erzähl-Kiosk. Foto: dpaHat Lust aufs Zuhören: Der Geschichtensammler Christoph Busch steht im U-Bahnhof „Emilienstraße“ vor seinem Erzähl-Kiosk. Foto: dpa

Osnabrück. Was für eine großartige Idee ist die des Hamburger Drehbuchautors Christoph Busch, einen Erzählkiosk einzurichten. In der Geschichten erzählt werden können, für die es sonst kein Ohr mehr gibt. Aber zur Geschäftsidee dürfen solche Impulse nicht verkommen – ein Kommentar.

Unsere Gesellschaft hat keine Zeit mehr. Zack, zack werden die wichtigsten Botschaften in Halbsätze gepackt. Wer beim Erzählen langatmig ausholt, und nicht sofort zu einer Pointe oder Quintessenz kommt , muss mit Unmut rechnen. Was für eine großartige Idee ist die vom Hamburger Drehbuchautor Christoph Busch, eine Erzählstube einzurichten. In der Geschichten erzählt werden können, für die es sonst kein Ohr mehr gibt.

Goldrichtig auch, dass da ein Fremder ohne jene wertende Eigeninteressen zuhört, die die Erzähllust schnell vergehen lassen. Und: Man muss nicht einmal selbst entscheiden, ob ein faszinierendes oder prägendes Erlebnis es wert ist, zwischen zwei Buchdeckel zu kommen. Dieses Risiko trägt allein der Mann vom Fach, der er als Drehbuchautor ist.

Kostenlos ist das Plauderstündchen auch – Gott sei Dank. Denn sonst würde aus dem Freiraum bald wieder eine reglementierte Ware, aus der Kapital geschlagen werden kann. Man stelle sich vor, Städte würden anstelle der längst verschwundenen Telefonzellen Münzerzählkioske einrichten. Vor ihnen, so nötig sie gesellschaftlich auch mal werden könnten, würde sich eine Geschichte mit Tiefe und Würde grausen. Weil sei keine Begrenzungen mag. Sie muss frei sei – oder unerzählt bleiben.