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01.02.2018, 17:02 Uhr KOLUMNE

Funktioniert Gipsy-Jazz ohne Gitarre? Aber Ja!

Von Ralf Döring


Osnabrück. Sandro Roy ist ein ziemlich junger, ziemlich guter Jazzgeiger. Das untermauert er mit seinem zweiten Album, „Souvenir de Paris“.

Hat nicht der große Django Reinhardt den Sound für Gipsy Jazz ein für alle Mal festgelegt? Im Prinzip schon: Über der stoisch treibenden Rhythmusgitarre entfaltet sich die genial rasante Sologitarre, gern im Dialog mit der swingenden Geige. Doch dann kommt ein junger Geiger und holt sich ein klassisches Jazzklaviertrio ins Studio: Sandro Roy heißt der, ist 1994 geboren und damit neugierig genug für ein Experiment. Immer wieder ein Vergnügen: Das Joscho Stephan Quartett

Er sich mit dem Klavier-Bass-Schlagzeug-Trio des Pianisten Jermaine Landsberger zusammengetan, um den Gipsy Jazz auf das neue, gleichwohl bewährte Gleis des klassischen Swing zu stellen. Das Ergebnis ist frappierend, weil der 24-Jährige so sensationell virtuos und kreativ spielt und so großartig swingt. Ursprung und Ziel der Reise ist aber ganz klar die künstlerische Heimat des großen Django Reinhardt: „Souvenir de Paris“ heißt das neue, zweite Album des gebürtigen Augsburgers.

Er bedient sich bei Irving Berlin, Rodgers und Hart oder Herbie Hancock, hat aber auch selbst komponiert, unter anderem die bezaubernde Ballade, die dem Album den Titel gegeben hat. Mit Gipsy-Geiger Roby Lakatos liefert er sich wunderbare Geigenduelle, für Musettefarben sorgt Akkordeonist Marcel Loeffler. Was für ein Vergnügen.