Festivals 2018: Wacken im Winter, Rocken am Ring und ein neues Festival im Freizeitpark

Von Melanie Heike Schmidt

Der Klassiker: Rund 70.000 Festival-Fans kommen Jahr für Jahr ins niedersächsische Scheeßel, um drei Tage lang Rock-, Pop- und Elektro-Größen aus aller Welt zu feiern. Foto: dpaDer Klassiker: Rund 70.000 Festival-Fans kommen Jahr für Jahr ins niedersächsische Scheeßel, um drei Tage lang Rock-, Pop- und Elektro-Größen aus aller Welt zu feiern. Foto: dpa

Osnabrück. Wer jetzt kalte Füße bekommt, ist kein echter Metal-Fan: Im Februar 2018 geht das Winterfestival „Wacken Winter Nights“ in seine zweite, frostige Runde. Ansonsten wird 2018 eher heiß, denn im Sommer haben Rocker, Metalheads, Gruftis, Elektro-Fans und Hip-Hopper die Qual der Wahl. Hier die Top-Festivals 2018 im Überblick:

Rock/Metal: Das wohl beliebteste Familienfest vieler Rock- und Metal-Freunde, das Rock am „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring, scheint wahrlich unter keinem guten Stern zu stehen: Immer wieder hatte das musikalische Großereignis mit zuletzt mehr als 80.000 Zuschauern mit Unbilden zu kämpfen. Unwetter, Verletzte durch Blitzeinschläge und vorzeitiger Abbruch waren die Schlagworte vergangener Jahre. Bei der jüngsten Ausgabe im Sommer 2017 traf es Fans der Brachial-Rocker Rammstein, die ihr Set als Headliner am Freitagabend absagen mussten, weil das Festival ebenfalls unterbrochen werden musste. Der Grund: eine Terrorwarnung. Zum Glück konnte die Polizei bald Entwarnung geben und das Festival fortgesetzt werden. Doch wer sich das Ticket vor allem wegen der Brachialrocker Rammstein gekauft hatte, wurde enttäuscht: Die sechs Berliner konnten ihren Auftritt nicht mehr nachholen.

Vier gewinnt: Foo Fighters, Muse, Gorillaz und Thirty Seconds to Mars

Als Trost hat Veranstalter Marek Lieberberg für die „Rock am Ring“-Ausgabe 2018 und das parallel stattfindende Zwillingsfestival „Rock im Park“ (beide 1. bis 3. Juni 2018) ein hochkarätiges Line-up zusammengestellt. Angekündigt sind als Headliner die Live-Sahnehäubchen Foo Fighters aus Seattle um den charismatischen, stimmgewaltigen Dave Grohl, dazu Muse, gegründet 1994 in Großbritannien, die ihren Status als mutmaßlich beste Liveband der Welt verteidigen könnten. Doch das wird schwer, denn auch Thirty Seconds to Mars aus L.A. und die geheimnisvolle, fiktive Comic-Helden-Band Gorillaz (gegründet von Blur-Sänger Damon Albarn) stehen auf dem Programm. Nicht zu vergessen: Schock-Rocker Marilyn Manson.

Tickets: Bisher (Stand Mitte Januar 2018) sind für beide Festivals zusammen schon rund 80.000 Karten verkauft worden. Wer am Ring oder im Park mitrocken will, sollte sich sputen.

Wacken mit Nightwish und Sepultura

Schlammsicher, vielseitig, weltberühmt: Das „Wacken Open Air“ ist und bleibt das Klassentreffen der Metalheads aus aller Welt. Und es ist immer, immer ruckzuck ausverkauft. Oder doch nicht? In der Tat gibt es in diesem Jahr (Stand Mitte Januar 2018) für das „Wacken Open Air“ (2. bis 4. August 2018) mit mehr als 100 Bands auf acht Bühnen noch Tickets. Ob das daran liegt, dass viele Metalheads die Nase doch allmählich voll vom Schlamm haben? Schließlich hat es die vergangenen Jahre einigermaßen zuverlässig vor und während der Festivaltage ordentlich gegossen. Am Line-up jedenfalls wird es kaum liegen, das ist wie gewohnt vielseitig. Kleine Auswahl: Sepultura, In Flames, In Extremo, Fisher Z, Clawfinger, Bonfire, Knorkator, Nightwish, Feuerschwanz, Betontod, Solstafir, Oomph, Schandmaul...

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Warm anziehen: „Wacken Winter Nights“ Nummer zwei

Wer Wacken im Schlamm kann, kann auch Wacken im Eis. Das diese Aussage stimmt, hat das erste „Wacken Winter Nights“ im Februar 2017 im Norden von Hamburg bewiesen. Die Debüt-Gäste des neuen Winterfestivals kauften nicht nur alle überhaupt verfügbaren Tickets (rund 3500) auf, sondern erwiesen sich auch als extrem unverfroren: So einige von ihnen übernachteten nicht im Hotel, sondern im Wohnwagen oder gar im Zelt – bei minus zwölf Grad! Klar, dass dieses Festival 2018 in die zweite Runde geht. In dem winterlichen, extra fürs Festival aufgebautem Dorf gibt es Gaukeleien und eisige Fantasiefiguren, sogenannte Walking Acts. Auf den Bühnen musikalisch einheizen werden unter anderem Letzte Instanz, Mr. Hurley und die Pulveraffen, Corvus Corax, Schandmaul, Torfrock, Ignis Fatuu, Ingrimm und andere. Besonders freuen dürfen sich die Frost-Festival-Gäste auf Coppelius. Die Berliner Steampunk-Combo beendet ihre einjährige Bühnenabstinenz. Also Zylinder auf und losgerockt.

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Gothic/Rock/Electro: Auch für die zumindest äußerlich finsteren Vertreter der Gothic-Szene hat der Festivalsommer 2018 viel zu bieten. Das größte Familientreffen der schwarzen Szene steigt wie immer im August, und zwar beim „M’era Luna“ (11. bis 12. August) auf dem Flugplatz Hildesheim-Drispenstedt. Hier versammeln sich 25.000 Musikfans aus aller Welt, oft mit aufwendigen Gewändern und Frisuren. Hoffentlich regnet es dieses Mal nicht so sehr wie 2017, denn nichts kann einen schön toupierten Schopf so ruinieren wie Wasser und Wind. Auch Reifröcke machen sich im Schlamm nicht so gut.

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Schönwetter-Programm für die Schwarzgekleideten

Das Bühnenprogramm jedenfalls ist schon mal auf Schönwetter getrimmt: Die Herren der Münchner NDH-Chart-Stürmer-Band Eisbrecher werden wie gewohnt ordentlich Schwung ins Festivalvolk bringen, Gleiches gilt für die belgischen EBM-Helden Front 242 sowie die einmal mehr auferstandenen Ministry. Für die Elektro-Fraktion sind die skandinavischen Live-Garanten Apoptygma Berzerk und Frozen Plasma aus Deutschland gebucht, wer schönen, alten Gothic-Rock mag, ist mit Zeraphine um Szeneliebling Sven Friedrich, Clan of Xymox aus den Niederlanden sowie Lacrimas Profundere aus Deutschland bestens bedient. Und wer sich an C-64-Melodien erfreuen kann, dem sei Welle:Erdball aus Hannover ans Herz gelegt. Wie immer wird es auch Lesungen und Modenschauen geben. Und nachdem die erstmals angebotenen Workshops der sogenannten „M‘era Luna“ Academy im Vorjahr ratzfatz ausgebucht waren, sollen die Workshops in diesem Jahr noch ausgebaut werden.

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„Amphi“-Festival in Köln

Auch schwarz wie die Nacht, aber mit rund 12.000 Besuchern etwas familiärer als das „M’era Luna“ ist das „Amphi“-Festival (28. bis 29. Juli) in Köln auf dem wunderschönen Tanzbrunnen-Gelände direkt am Rhein. Zugkräftiger und erprobter Headliner ist die Berliner Elektro-Band And One, deren Frontmann Steve Naghavi das Publikum mit Sprüchen, Tanzeinlagen und vor allem mit seiner gewaltigen Stimme mitreißen kann. Auch Asp, Mono Inc., Oomph, Goethes Erben und Agonoize versprechen Live-Genuss. Besonders freuen kann man sich hier auf die Hamburger Gothic-Rocker von Girls Under Glass, die eines ihrer selten gewordenen Liveauftritte bieten. Und auf das türkische Wave-Duo She Past Away – die Aufsteiger der Gothic-Szene 2017.

Tickets: Sowohl für das „M‘era Luna“ als auch für das „Amphi“ gibt es noch Tickets. Sputen sollten sich Interessierte dennoch, in den vergangenen Jahren waren beide Festivals stets ausverkauft.

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Rock/Pop/Hip-Hop: Ende Juni gibt es einmal mehr die Rundum-glücklich-Festival-Ladung für Rock- und Pop-Fans. Dann lädt das „Hurricane“-Festival (22. bis 24. Juni) wieder auf den Eichenring in Scheeßel. Rund 70.000 Festival-Fans haben an insgesamt drei Tagen die Wahl: Welche der vier parallel bespielten Bühnen soll es sein? Gebucht sind Arcade Fire, The Prodigy, Billy Talent, Marteria, The Offspring, Dendemann, Feine Sahne Fischfilet, Madsen, Donots, Prinz Pi, Bonaparte, Portugal The Man... Und weitere Headliner sollen noch kommen. Tickets für den Klassiker unter den Sommerfestivals gibt es auch noch.

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Salz in der Luft, Baden im Meer und Top-Bands auf den Bühnen

Beim „Deichbrand“-Festival (19. bis 22. Juli) am Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz gibt es diese fast perfekte Mischung für Musik- und Sommerfans. Kein Wunder, dass das Festival an der Nordsee sich in den mittlerweile fast 14 Jahren seines Bestehens permanent gemausert hat. Mittlerweile laden die „Brandstifter“ zu einem viertägigen Musikfest, im ersten „Deichbrand“-Jahr 2005 waren es noch zwei. Auch die Besucherzahlen sind stetig gewachsen, 2009 fanden sich zum Beispiel gut 10.000 Musikfans ein, im vergangenen Jahr konnten die Veranstalter mit 55.000 Besuchern ihren eigenen Rekord von 50.000 Besuchern im Jahr 2016 toppen. Auf vier Bühnen rocken dieses Jahr unter anderem Die Toten Hosen, Freundeskreis, Casper, Eisbrecher, Editors, Amy MacDonald, Fünf Sterne Deluxe, OK Kid, Zebrahead, Lexy & K-Paul, Bilderbuch und Kettkar. Tickets gibt es auch noch (Stand Mitte Januar 2018).

Brandneues Festival im Freizeitpark

Und wenn das Wetter Ende des Jahres wieder kalt und mies ist, aber die Lust auf ein Festival ungebrochen? Dafür haben sich die „Hurricane“-Erfinder von FKP Scorpio etwas einfallen lassen: Das neue Indoor-Festival „Rolling Stone Park“ am 16. und 17. November 2018 im Europa-Park Rust. Gut 30 Bands sollen bei dem Festivaldebüt an zwei Tagen auf vier Indoor-Bühnen aufspielen, alle komfortabel erreichbar mit dem Europa-Park-Express. Übernachtet wird in den umliegenden Themen-Hotels des Freizeitparks. Schon mit dem mittlerweile stets ausverkauften Schwesterfestival, dem „Rolling Stone Weekender“ im Ferienpark Weissenhäuser Strand an der Ostsee hat FKP einst das Festivalangebot in Deutschland erfolgreich erweitert. Nun soll sich wohl mit dem „Rolling Stone Park“ ein ähnliches Konzept im Süden der Republik durchsetzen. Derzeit sind übrigens noch keine gebuchten Bands bekannt (Stand Mitte Januar 2018), aber die ersten Namen sollen laut FKP „in Kürze“ veröffentlicht werden. Kombi-Tickets inklusive Übernachtungen gibt es bereits, Infos dazu gibt es hier.

Und sonst noch?

Immer noch nicht genug? Keine Sorge, auch 2018 gibt es einen ganzen Strauß von Rock-, Pop- Elektro-, Indie-, Punk- und Hiphop-Festivals, unter anderem Highfield, Juicy Beats, Lollapalooza, Melt, Ruhrpott Rodeo, E-Tropolis, Stemwede Open Air, Splash, Summer Breeze, Out of Line Weekender, Autumn Moon, Dark Spring, Taubertal, Hanse Song...