Kritik zum Neustart „Downsizing“: Matt Damon wird zum Zwerg

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„Downsizing“ im Kino: Paul (Matt Damon) befragt einen Freund – er sitzt auf der Schachtel – zum Downsizing.Foto: Paramount„Downsizing“ im Kino: Paul (Matt Damon) befragt einen Freund – er sitzt auf der Schachtel – zum Downsizing.Foto: Paramount

Berlin. Wenn die Wirtschaft weiter wachsen soll, muss der Mensch schrumpfen. Diese Grundidee macht Alexander Payne zur Sci-Fi-Satire mit Matt Damon: „Downsizing“

Über zehn Jahre hat Alexander Payne an seiner Sci-Fi-Satire „Downsizing“ geschrieben. Jetzt kommt der Kinofilm mit Matt Damon ins Kino. Worum geht‘s und was taugt es?

Was ist „Downsizing“?

In der Sprache der Technik ist Downsizing ein Gesundschrumpfen, etwa den Wechsel von verbrauchsintensiven auf sparsame Motoren. Die gleichnamige Sci-Fi-Satire überträgt die Idee vom Fahrzeug auf den Halter: Als es Wissenschaftlern gelingt, Lebewesen auf einen Bruchteil ihrer natürlichen Größe zu verkleinern, scheinen die meisten globalen Probleme gelöst: Überbevölkerung, knappe Ressourcen, Energiebedarf – all das hat sich erledigt, wenn die Menschen nur noch wenige Zentimeter groß sind. Der nicht kompostierbare Müll, den eine 36-köpfige Testgruppe in vier Jahren anhäuft, passt in einen einzigen Sack. (Potter-Fortsetzung auf YouTube: Wie gut ist „Voldemort: Origins of the Heir“?)

Wovon handelt Alexander Paynes „Downsizing“?

Alexander Paynes „Downsizing“ führt in eine Zeit, in der die Pioniertechnik zum Massenphänomen wird. Großkonzerne bieten das Einschrumpfen im Paket mit Wohnplätzen in komfortablen Miniatur-Kolonien an. Auch Paul (Matt Damon) und Audrey (Kristen Wiig) erwägen den – unumkehrbaren – Wechsel in die Welt der Zwerge. Die Verkaufsschau, bei der das Paar sich für ein Leben im „Leisureland“ entscheidet, gehört zu den besten Szenen des Films. Denn hier geht es plötzlich nicht mehr um die Rettung des Planeten – sondern um Luxushäuser, ewigen Urlaub und Diamant-Colliers für 83 Dollar. Weil Zwerge mit einem Minimum an Wohnfläche, Treibstoff und Champagner auskommen, bedeutet die Verkleinerung automatisch die Vergrößerung des Reichtums. Downsizing ist nur ein Relativitätstrick, der den Wahn des unbegrenzten Wachstums am Leben erhält.

Engagement als verkappter Egoismus, Gier als freiwillige Verzwergung: Mit diesem Tenor parodiert der Film eine westliche Mittelschicht, die von Finanz- und Klimakrise in widerstreitende Gefühle getrieben wird: Hier die Sorge ums globale Ganze, dort Angst um den eigenen Platz im Verteilungskampf.

In der zweiten Hälfte lässt „Downsizing“ nach

Leider baut die zweite Hälfte des Films seine geniale Prämisse schlecht aus. Praktische Probleme im Miteinander von Groß und Klein, soziale Konflikte zwischen der natürlichen und der geschrumpften Bevölkerung, Pannen und Missbrauch der Downsizing-Technologie: All das handeln Payne und sein angestammter Ko-Autor Jim Taylor in Nebenbemerkungen ab. Im Hauptstrang entfernt das Drehbuch sich immer weiter von der Kernidee. Christoph Waltz und Udo Kier feiern als dubiose Geschäftemacher Koks-Partys. Rolf Lassgård lässt als Downsizing-Erfinder seine Testgruppe zur Weltuntergangssekte mutieren. Und eine einbeinige Dissidentin aus Vietnam, wienert sich als Putzfrau durch einen Slum, der aus rätselhaften Gründen auch in Leisureland existiert. Im Finale wird die neurotische Karikatur dann aus heiterem Himmel zum gleichwertigen, von Paul begehrten Gegenüber. Damit ist „Downsizing“ einer der wenigen Filme, von denen man sich sofort eine Fortsetzung wünscht – die all die ausgelassenen Gelegenheiten der brillanten Idee aufgreift. („Your Name“: Der erfolgreichste Anime aller Zeiten in den deutschen Kinos)


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