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15.01.2018, 17:44 Uhr PROTEST DER KÜNSTLER

Streit um Documenta: Kunstformat auf der Kippe?

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Weltkunst in Athen: Bei der Performance „Check Point - Prosfygika“ des Künstlers Ibrahim Mahama aus Ghana im Rahmen der documenta 14 nähen junge Menschen mit grobem Faden und dicker Nadel Jute-Säcke zusammen auf dem Syntagma-Platz in Athen. Foto: dpaWeltkunst in Athen: Bei der Performance „Check Point - Prosfygika“ des Künstlers Ibrahim Mahama aus Ghana im Rahmen der documenta 14 nähen junge Menschen mit grobem Faden und dicker Nadel Jute-Säcke zusammen auf dem Syntagma-Platz in Athen. Foto: dpa

Kassel. Ist die Documenta in Gefahr? Künstler und Kuratoren protestieren zurecht. Die Politik setzt die Unabhängigkeit des Formats aufs Spiel.

Steht die Documenta wirklich auf der Kippe? Die Künstler und Kuratoren haben mit ihrer Warnung jedenfalls recht. Es hat den Anschein, als würden Politiker das Defizit der letzten Documenta zum Anlass nehmen, um auf dieses Weltformat der Kunst grundsätzlich Einfluss zu nehmen. Das Museum der 100 Tage als Event an der kurzen Leine der Politik? Das wäre allerdings eine schlechte Aussicht für die weltweit bewunderte Documenta. Hier weiterlesen: Parcours durch Athen - Performances der Documenta 14.

Die aktuelle Kontroverse irritiert auch deshalb so nachhaltig, weil die Politik das Konzept einer Ausstellung an zwei Standorten ausdrücklich mitgetragen hatte. Jedem Beteiligten musste klar gewesen sein, dass Athen nicht in der Lage sein würde, einen nennenswerten finanziellen Beitrag zu leisten. Hier weiterlesen: Von Volksbühne bis Documenta - neue Allianzen der Künste.

Dabei hat gerade diese Verlagerung das Kunstformat programmatisch noch einmal entscheidend geöffnet. Adam Szymczyk hat der Documenta und damit dem globalen Kunstgeschehen völlig neue Wege gewiesen. Diese Leistung muss finanziell ihren Preis haben dürfen. Die Documenta muss bleiben, was sie heute ist – ein Kraftwerk der kulturellen Erneuerung, das nach eigenem Rhythmus agieren darf. Hier weiterlesen: Documenta 14: Was bleibt von der Weltkunstschau 2017?