Dirigent feiert Geburtstag Mariss Jansons wird 75: Der Star, der keiner sein will

Von Pedro Obiera

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Einfühlungsvermögen auf dem Konzertpult: Star-Dirigent Mariss Jansons wird 75. Foto: dpaEinfühlungsvermögen auf dem Konzertpult: Star-Dirigent Mariss Jansons wird 75. Foto: dpa

München. Dass er im letzten November in London mit der Goldmedaille der „Royal Philharmonic Society“ ausgezeichnet wurde, ist nur einer der vielen Ritterschläge, die die bemerkenswerte Karriere des Dirigenten Mariss Jansons schmücken. Der Lette wird am Samstag 75 Jahre alt.

Jansons, derzeit Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und des Amsterdamer Concertgebouw Orchesters, gehört heute zu den Spitzenstars am Dirigentenhimmel, auch wenn ihm selbst jeglicher Starkult und Medienrummel zuwider ist.

Geboren wurde er heute vor 75 Jahren, am 14. Januar 1943, in der lettischen Hauptstadt Riga. Seine Mutter, eine jüdische Mezzosopranistin, musste ihren Sohn in der von den Deutschen besetzten Stadt heimlich in einem Versteck zur Welt bringen. Mariss und seine Eltern überlebten die Okkupation, der Bruder und Vater der Mutter wurden umgebracht. Jansons hat immer mit großer Bewunderung darauf hingewiesen, dass sich seine Mutter trotz der schlimmen Erfahrungen niemals deutschfeindlich geäußert habe.

Der Glaube an das Gute im Menschen und vor allem an die positiven Kräfte der Musik begleitete den Dirigenten sein Leben lang. Der Vater, ein namhafter Dirigent und seine Mutter, eine ebenso erfolgreiche Sängerin, haben das Talent des Jungen ohne falschen Ehrgeiz gefördert und dafür gesorgt, dass Mariss Jansons auch auf den Höhepunkten seiner Erfolge niemals die Bodenhaftung verloren hat.

Karajan förderte das Talent

Als sein Vater eine Anstellung bei den Leningrader Philharmonikern annahm, zog die Familie in die russische Metropole um, wo Mariss eine glänzende musikalische Ausbildung erfuhr, die er später bei Hans Swarowsky und Herbert von Karajan in Wien fortsetzte.

Karajan wurde auf den jungen Dirigenten bereits 1968 aufmerksam, als er mit den Berlinern Philharmonikern in Leningrad gastierte und einen Meisterkurs für junge Dirigenten abhielt. Karajan wollte den jungen Mariss gleich mit in den Westen nahmen, was die sowjetischen Bürokraten freilich ablehnten. 1971 konnte Jansons seine Studien in Österreich fortsetzen, wobei ihn Karajan tatkräftig unterstützte.

Gelassener und konzentrierter

Mariss Jansons arbeitete hart und mit viel Herzblut für die Musik und gewann bei allen Orchestern, Solisten und Sängern, mit denen er arbeitete, aufgrund seiner menschlichen Qualitäten, seines Einfühlungsvermögens und seiner unbestechlichen Musikalität hohes Ansehen. Das steigerte sich noch, als ihn 1996 während seiner ersten langen Amtszeit von 1979 bis 2000 als Leiter der Philharmonie Oslo am Ende einer Aufführung von Puccinis „Bohème“ ein schwerer Herzinfarkt aufs Krankenlager warf.

Anders als sein Vater, der auf dem Konzertpult gestorben ist, erholte sich Mariss Jansons und arbeitet seitdem noch gelassener, konzentrierter und leiser mit seinen Kollegen und feilt noch filigraner und feinfühliger an einen stets transparenten und seidenweichen Orchesterklang.

Der Star, der keiner sein will

Seine Auftritte sind weltweit begehrt und die bis heute andauernde Zusammenarbeit mit dem Orchester des Bayerischen Rundfunks bezeichnet er als eine der glücklichsten Phasen seiner Karriere, ohne den Wert seiner wichtigen Etappen in Oslo, London, Pittsburgh und Amsterdam mindern zu wollen.

Es freut ihn, dass er ein wenig dazu beitragen konnte, dass ein Landsmann mit seiner, wenn auch zunächst unfreiwilligen Hilfe Fuß im Westen fassen konnte, der seitdem in die großen Fußstapfen Jansons getreten ist: Andris Nelsons durfte 2010 für seinen großen, damals krankheitsbedingt ausgefallenen Mentor an der Wiener Staatsoper eine „Carmen“ dirigieren. Ein neuer Star, der keiner sein will, war geboren.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN