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03.01.2018, 18:14 Uhr KOMMENTAR

Kunst ohne öffentliches Geld: Der Mythos Baden-Baden

Kommentar von Ralf Döring

Edel: Wenn in Baden-Baden Boitos „ Mefistofele“ gegeben wird, muss mindesten Erwin Schrott dabei sein.  Foto: Patrick Seeger/dpaEdel: Wenn in Baden-Baden Boitos „ Mefistofele“ gegeben wird, muss mindesten Erwin Schrott dabei sein. Foto: Patrick Seeger/dpa

Osnabrück. Das Festspielhaus Baden-Baden kommt ohne öffentliche Gelder aus. Das stimmt – fast. Und das hat seinen Preis. Ein Kommentar.

Es geht also auch in Deutschland: Das Festspielhaus Baden-Baden brüstet sich, einen Konzertbetrieb ohne öffentliche Gelder zu führen. Gut, ein paar Millionen muss die Stadt Baden-Baden zuschießen, um den ehemaligen Bahnhof instand zu halten – geschenkt. Die künstlerische Arbeit finanziert das Haus über Geld von Sponsoren und Mäzenen.

Diese Unabhängigkeit hat ihren Preis. Die Bühne im Festspielhaus wird eher selten zum Experimentierfeld; zeitgenössische Musik, Jazz und Pop spielen eine vergleichsweise kleine Rolle. Logisch: Jeder leere Sessel drückt aufs Betriebsergebnis, und der künstlerische Erfolg setzt den wirtschaftlichen voraus. Außerdem sind Sponsoren in der Regel eher für Brahms und Wagner zu begeistern, als für John Cage oder Moritz Eggert. Mainstream statt Vielfalt wird zur zwingenden Devise.

Und überhaupt öffentliche Gelder: Die Berliner oder die Münchner Philharmoniker spielen in Baden-Baden gegen hohe Gagen. Solche Spitzenklangkörper könnten aber ohne namhafte öffentliche Zuschüsse nicht existieren, sollen sie übrigens auch gar nicht. Jedenfalls fließen die Zuschüsse nicht in Baden-Baden, sondern in Berlin und in München. In Baden-Baden aber setzen sie künstlerische Glanzlichter.


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